Entwicklung von Kinderfüssen und Kinderbeinen
Entwicklung von Kinderfüßen und Kinderbeinen
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Entwicklung von Kinderfüssen und Kinderbeinen

Die Entwicklung von Kinderfüssen und Kinderbeinen schreitet immer etwas schneller voran als die Entwicklung des restlichen Körpers. Kinderfüsse sind anderen Körperteilen wie den Händen und Armen im wahrsten Sinne des Wortes immer einen Schritt voraus. Die Füsse von Jungen entwickeln sich hierbei etwas langsamer als die der Mädchen.

Frau Dr. Rothe
von Dr. Anne Rothe
Kinderärztin
Thu, 22.06.2017 - 13:36 Fri, 10/11/2019 - 16:54

Fussfehlstellungen können angeboren sein oder erworben werden

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Ungefähr 99 Prozent aller Kinder werden mit gesunden Füssen geboren. Im Laufe des Lebens müssen Füsse jedoch vielen Belastungen standhalten, weshalb weniger als die Hälfte aller Erwachsenen noch gesunde Füsse hat. Ein Grund für Fussprobleme im Erwachsenenalter sind unter anderem auf schlecht passende Schuhe zurückzuführen - und zwar auch schon im Kindesalter. Probleme können entstehen, wenn dauerhaft zu enge, zu kleine, zu weite, zu gross oder zu spitze Schuhe getragen werden. 

Nur wenn die Entwicklung der Kinderfüsse nicht eingeschränkt wird, können sie sich zu gesunden Erwachsenenfüssen entwickeln. Aus diesem Grund sollten Sie sorgsam auf die Fussgesundheit Ihres Kindes achten.

Die Entwicklung von Kinderfüssen und Kinderbeinen ist erst spät abgeschlossen

 

Kommt ein Baby auf die Welt, dann sind die kleinen Füsschen noch kaum entwickelt. Das Fussskelett besteht hauptsächlich aus Knorpel, ist weich und verformbar. Die Füsschen sehen platt und speckig aus. Dieser Eindruck entsteht durch das dicke Fettpolster, das die Babyfüsse schützt.

Auch im Krabbelalter sehen Babyfüsse noch nicht wirklich nach einem erwachsenen Fuss aus. Erst wenn sich das Kind aufrichtet und langsam zu stehen und zu gehen beginnt, bilden sich Längs- und Quergewölbe des Fusses aus. Etwa um das 6. Lebensjahr herum hat ein Kinderfuss dann in etwa die Proportionen erwachsener Füsse.

Die Verknöcherung des Skelettes im Fuss kann sogar bis ins Jugendalter hinein andauern. Die endgültige Fusslänge erreichen Mädchen im Alter zwischen 12 und 13 Jahren, Jungen hingegen erst im Alter zwischen 14 und 15.

O-Beine - typisch Baby

Oft machen sich Eltern Sorgen über die O-Beine ihres Babys. Diese Sorgen sind jedoch unbegründet. Bei Neugeborenen sind O-Beine vollkommen normal. Im Bauch der Mutter sind die räumlichen Verhältnisse begrenzt und das Kind nimmt eine möglichst platzsparende Position ein.

Ein geradliniges Wachstum der Knochen ist im Mutterleib nicht möglich. Zudem sind die leichten O-Beine praktisch, wenn das Kind anfängt zu laufen. Die O-Beinstellung gibt mutigen Laufanfängern zusätzlich Stabilität.

X-Beine - typisch Kleinkind

Die O-Beine des Neugeborenen werden im Laufe der Entwicklung von Kinderfüssen und Kinderbeinen zu den typischen X-Beinen des Kleinkindes. Häufig dauert die X-Beinstellung bis zum Eintritt ins Schulalter an. Die Beinachse gleicht sich durch das Wachsen von Knochen, Bändern und Muskeln an.

Im Alter von sechs Jahren hat sich die Beinstellung dann bei den meisten Kindern stabilisiert. Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt und Besuche beim Orthopäden sind aber auch dann noch empfehlenswert. Sollten sich Fussfehlstellungen entwickeln, können diese frühzeitig erkannt und behandelt werden.

Ursachen für Fussfehlstellungen bei Kindern

Wenn bei Kindern Fussfehlstellungen auftreten, so können diese angeboren sein oder erworben werden. Angeborene Fehlstellungen haben genetische Ursachen oder resultieren aus Zwangshaltungen im Mutterleib. Zwangshaltungen im Mutterleib entstehen durch den begrenzten Platz in der Gebärmutter.

Erworben werden können Fussfehlstellungen während der Entwicklung von Kinderfüssen und Kinderbeinen beispielsweise, wenn Übergewicht vorliegt, Bewegungsmangel herrscht oder die Schuhe nicht richtig ausgewählt werden. Mit einer Fussfehlstellung kommen nur sehr wenige Babys zur Welt.

Fussfehlstellungen - welche gibt es?

Viele Fussfehlstellungen, die bei Kindern auftreten, sind harmlos und verschwinden im Laufe der Jahre. Es gibt jedoch einige Entwicklungsstörungen, die schnell erkannt und angemessen therapiert werden müssen. Die Füsse beeinflussen auch die Entwicklung des restlichen Bewegungsapparates und sollten daher möglichst gesund wachsen können.

Zu den häufigsten Fehlstellungen der Füsse bei Kindern gehören:

  • der Plattfuss (abgeflachtes Fussgewölbe)
  • der Spreizfuss (Zehen sind auseinandergespreizt durch das Einsinken des Vorfussquergewölbes)
  • der Hohlfuss (Zehen und Ferse tragen das Hauptgewicht und der Rest des Fusses liegt nicht auf)
  • der Knick-Senkfuss (X-Stellung der Ferse verstärkt, flaches Fussgewölbe)
  • der Hackenfuss (Fuss nach oben abgeknickt, Fusssohle zeigt nach aussen)
  • der Spitzfuss (Ferse ist hochgestellt und nur der Fussballen berührt den Boden)
  • der Klumpfuss (Fusssohle ist hier nach innen gedreht, es besteht eine komplexe Verformung des Fusses, diese Fehlstellung ist meist angeboren)
  • der Sichelfuss (Vorderfuss ist im Vergleich zum hinteren Fuss nach innen gedreht)

Lassen Sie Füsse und Gangbild Ihres Kindes möglichst in regelmässigen Abständen von einem Orthopäden oder Physiotherapeuten untersuchen, um Fussfehlstellungen frühzeitig behandeln und gegensteuern zu können.

So vermeiden Sie Fussfehlstellungen

Oftmals verwachsen sich Fussfehlstellungen bei Kindern mit zunehmendem Alter. Allerdings gibt es einiges, was Sie tun können, um solche Fehlstellungen gar nicht erst entstehen zu lassen.

  • Erzwingen Sie kein frühzeitiges Gehen und Stehen Ihres Kindes. Es sollte erst dann damit beginnen, wenn es sich von selbst hochziehen kann und bereit dazu ist.
  • Achten Sie darauf, dass Ihr Kind ein angemessenes Körpergewicht hat. Übergewicht kann bei Kindern zu Fehlstellungen von Füssen, Knien und Hüfte führen mit daraus resultierenden lang andauernden Problemen. 
  • Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind so viel wie möglich barfuss läuft. Unebene Untergründe wie Gras und Sand sind besonders förderlich für eine gesunde Fussmuskulatur und die Stabilität des Fussgewölbes. 
  • Achten Sie auf kindgerechte, passende Schuhe. 
  • Machen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind Fussgymnastik. Sowohl Ihre Füsse als auch die Ihres Kindes profitieren von kräftigenden Übungen.

Hat der Kinderarzt oder Kinderorthopäde eine Fussfehlstellung festgestellt, werden Krankengymnastik und Bewegungsübungen zur Behandlung eingesetzt. Kleine Kinder erhalten nur selten Einlagen, da sich bei ihnen noch viel mithilfe spezieller Übungen erreichen lässt.

Die richtigen Kinderschuhe finden

Grundsätzlich braucht der menschliche Fuss keinen Schuh. Füsse entwickeln sich am besten ohne einengendes Schuhwerk. Lassen Sie Ihr Kind daher so oft es geht barfuss laufen. Auch die ersten Steh- und Gehübungen dürfen gerne barfuss gemacht werden. Schuhe bieten den kleinen Füssen aber auch Schutz vor Verletzungen, Schmutz und Kälte.

In manchen Situationen sind Schuhe daher ein Muss. Achten Sie beim Schuhkauf darauf, dass die Schuhe weder zu klein noch zu gross sind. Kleinere Kinder zu fragen, ob ihnen ihre Schuhe passen, ist oft sinnlos, da die Reizleitungen der Kinder noch nicht vollständig ausgebildet sind und sie somit nicht unbedingt spüren, wenn es ihnen an den Zehen zwickt.

Prüfen Sie also selber, ob zwischen den Zehen und dem Schuh noch Platz ist. Etwa einen Fingerbreit (12 Millimeter) sollten die Zehen von der Spitze des Schuhs entfernt sein. Messen Sie dafür die Kinderfüsschen aus und stimmen Sie die Schuhe darauf ab.

Kinderfüsse können bis zu drei Grössen im Jahr wachsen, messen Sie daher alle paar Wochen nach, ob Ihr Kind bereits Schuhe in einer grösseren Grösse benötigt. Bewiesen ist, dass unpassende Schuhe Fehlstellungen begünstigen und langfristige Fussprobleme hervorrufen können, der Kauf des passenden Kinderschuhs ist demnach ein wichtiger Faktor der gesunden Fussentwicklung Ihres Kindes.
 

Fazit
Die meisten Kinder kommen mit gesunden Füssen zur Welt.
Erzwingen Sie das Stehen und Gehen nicht, sondern lassen Sie Ihr Kind bestimmen, wann es so weit ist.
Lassen Sie Ihr Kind so viel wie möglich barfuss laufen. Achten Sie beim Barfusslaufen auf die Sicherheit der Kinderfüsse und wählen Sie nur geeignete Untergründe aus.
Schuhe dienen dem Schutz der Füsse und müssen ihnen nicht beim Gehen und Stehen helfen.
Achten Sie auf passende Schuhe.
Tipps von Kinderärztin Dr. Anne Rothe
  • Eltern sollten ihre Kinder in der Lauflernphase möglichst nicht an den Händen führen, denn hierdurch wird die Reihenfolge der Bewegungsentwicklung durcheinander gebracht.
  • Lassen Sie Ihrem Kind die Zeit, das Laufen ohne Unterstützung zu lernen, die Qualität des Laufens wird in diesem Fall besser sein.
  • „Lauflernschuhe“ helfen nicht beim Laufenlernen, sondern sollten erst gekauft werden, wenn Ihr Kind bereits laufen kann. Das Laufen in Schuhen ist grundsätzlich schwieriger als ohne.
Der Text wurde von einem Arzt geprüft

Dieser Artikel wurde von unserem Expertenteam geprüft.