Mama-Kinder, Papa-Kinder
Mama-Kinder, Papa-Kinder
https://www.windeln.ch/magazin/sites/default/files/artikel/big/2017-06/baby_entwicklung_mama_kind_papa_kind.jpg
Therapeutengeprüft

Mama-Kinder, Papa-Kinder

Mamakind oder Papakind? Es gibt Phasen und Situationen, in denen sich Kinder eher einem Elternteil anschliessen. Das ist völlig normal und kann ebenso in der Entwicklung wie im Temperament, dem Grad der Bindung und der Interaktion begründet liegen.

Nicole Ulrich
von Nicole Ulrich
Kindertherapeutin
Wed, 28.06.2017 - 17:07 Tue, 07/23/2019 - 14:57

Dabei handelt es sich um natürliche Entwicklungsphasen

Einem Baby ist meist die Mutter vertrauter, es fühlt sich bei ihr sicher und geborgen. Sobald es agiler wird, kann plötzlich der Vater interessanter werden. In der Regel gibt es für keinen Elternteil einen Grund, sich zurückgesetzt oder ungeliebt zu fühlen, solche Phasen lassen sich souverän meistern.

Das typische Mamakind

Die Mama ist den ganzen Tag zu Hause und kümmert sich um das Kind. Sie füttert es, wickelt es und spendet Trost, wenn Monster in den Schatten im Kinderzimmer lauern. Der Papa hingegen ist meist den ganzen Tag weg. Zwangsläufig wird die Mutter zur engeren Bezugsperson.

Abends möchte dann der Papa Zeit mit dem Nachwuchs verbringen, sein Kind im Arm halten, es ins Bett bringen. Das Kind wehrt sich und verlangt nach seiner Mama. Der Papa fühlt sich zurückgewiesen, ihm ist klar - gegen die Mama hat er keine Chance, sein Kind möchte von ihm nichts wissen.

Dem ist nicht so. Ein kleines Kind braucht eine vertraute Person, die es versorgt und ihm Sicherheit vermittelt, das ist in diesem Fall aufgrund der äusseren Umstände die Mutter. Genauso kann es sich natürlich umgekehrt verhalten, wenn der Papa sich intensiver kümmert und die Mutter häufiger abwesend ist.

Die Umwelt wird interessanter

Kinder entwickeln sich und möchten die Umwelt erkunden. Das Baby beginnt zu robben und zu krabbeln und möchte seine Neugier befriedigen. Es nimmt seine Umgebung selektiver wahr und stellt fest, da ist noch ein Mensch anwesend, der interessant ist.

Kommt der Papa nun von der Arbeit, nimmt es auf den Arm und kitzelt es, jauchzt es vor Vergnügen. Anschliessend krabbelt er vielleicht noch mit ihm auf dem Boden herum. Der Papa ist also jemand, der Spass macht, mit ihm kann Baby die Welt erkunden, schon ist die Mama abgeschrieben.

Nun fühlt sie sich zurückgesetzt - hat sie sich doch die ganze Zeit aufopferungsvoll um ihr Kind gekümmert und jetzt möchte es nur noch vom Papa ins Bett gebracht werden.

Dabei handelt es sich um eine natürliche Entwicklungsphase. Das Kind löst sich von der ersten Bezugsperson, ist nicht mehr ständig auf den sicheren Hafen angewiesen. Der Papa stimuliert in der Interaktion andere Sinne als die Mama, genau darauf ist es jetzt angewiesen.

Wiederum kann es sich natürlich auch umgekehrt verhalten. Es kommt immer darauf an, wer dem Kind zunächst vertrauter ist, aber auch auf das Temperament der Eltern und des Kindes. Ein eher introvertiertes Kind wird sich länger an der engeren Bezugsperson orientieren, ein extrovertierteres Kind kann sich schneller Neuem öffnen.

Ein ruhigeres Kind findet bei einem ebenfalls ruhigeren, ausgeglichenen Elternteil eher Sicherheit, ein aktives Kind findet an den turbulenteren Spielen des ebenfalls aktiveren Elternteils Gefallen.

Beziehung der Eltern untereinander

Kriselt es zwischen den Eltern, bekommen das bereits kleinste Kinder mit. Intuitiv binden sie sich an einen Elternteil stärker, da sie dessen Sicherheit benötigen. Agieren Eltern gegen- statt miteinander, wissen Kinder das für sich zu nutzen. Sie wenden sich an den Elternteil, von dem sie bekommen, was sie möchten. Das ist weder für ein harmonisches Miteinander noch für die Entwicklung des Kindes förderlich.

Vermitteln die Eltern in ihrem Miteinander hingegen Stabilität, gewinnt das Kind an Sicherheit. Es kann zu beiden ein Vertrauensverhältnis aufbauen und erhält von beiden in unterschiedlichen Situationen die Impulse, die es benötigt.

Geschlechtliche Einflussfaktoren

Mit etwa drei Jahren beginnen Kinder festzustellen, dass es unterschiedliche Geschlechter gibt, und entdecken in den folgenden Jahren auch ihre eigene Zugehörigkeit. Erneut kann das zu einer engeren Orientierung an einem Elternteil führen - diesmal geht es um die psychosexuelle Identifikation.

Nach klassischer Auffassung binden sich Mädchen dann eher an den Papa und Jungs an die Mama, das muss aber nicht sein. Je nach Alter, Charakter und Konstellation kann auch eine gleichgeschlechtliche Bindung erfolgen. Es geht darum, herauszufinden, was das "Mannsein" und "Frausein" bedeutet.

Bei der gleichgeschlechtlichen Orientierung erfährt das Kind etwas über die eigene Rolle, mit der es sich identifizieren möchte, bei der gegengeschlechtlichen sucht es die Bestätigung dessen.

Was Eltern tun können

Keinesfalls sollten Sie sich ausgeschlossen oder ungeliebt fühlen, wenn Ihr Kind sich mehr am anderen Elternteil orientiert, geschweige denn dem Partner Vorwürfe machen. Stattdessen können Sie Ihr Kind beobachten und sich die jeweilige Entwicklungsphase bewusst machen.

Achten Sie auf die Signale, die es in verschiedenen Situationen aussendet. Bringen Sie Ihre Beobachtungen in Einklang mit der innerfamiliären Struktur und Rollenverteilung, finden Sie schnell heraus, warum sich Ihr Kind gerade an wen bindet.

Kommunizieren Sie auch mit Ihrem Partner. Klammert das Kind an einem Elternteil, kann dieser überfordert sein. Kennen Sie die Bedürfnisse Ihres Kindes, fällt es Ihnen leichter, auf seine Signale einzugehen. So verschaffen Sie dem Partner Freiräume und haben Gelegenheit, die eigene Bindung zum Kind zu intensivieren. Verbringen Sie auch möglichst viel Zeit gemeinsam.

Ihr Nachwuchs erlebt dann in beiden Elternteilen eine stabile, verlässliche Basis.

Bedeutung für das spätere Leben

Kinder, die in stabilen, harmonischen Verhältnissen aufwachsen, wechseln also gelegentlich vom Mamakind zum Papakind und umgekehrt. Aus beiden Rollen wachsen sie normalerweise heraus. Binden sich Kinder grundsätzlich mehr an einen Elternteil, kann das unterschiedliche Ursachen haben, die es herauszufinden gilt.

Sofern sich Eltern nicht als Konkurrenten betrachten und dadurch Komplikationen entstehen, hat das kaum Auswirkungen auf das spätere Leben des Kindes.

Wird ein Elternteil aber vom anderen ausgegrenzt, kann sich im Extremfall eine geschlechtsspezifische Entwicklungsstörung anbahnen, auch die Kommunikationsfähigkeit und Fähigkeit zur Konfliktlösung kann darunter leiden.

Ausgeprägte Mama- und Papakinder benötigen die Zuwendung beider Elternteile gleichermassen, auch wenn sie dies in ihrem Verhalten nicht so deutlich zeigen, und jeder Elternteil kann lernen, was das Kind situations- oder entwicklungsbedingt benötigt.

Fazit
Kinder wechseln üblicherweise in Phasen zwischen Mamakind und Papakind. Das hat verschiedene Ursachen wie:
Sicherheitsbedürfnis
Interaktion mit der Umwelt
eigenes Temperament
Charaktere der Eltern
Verhältnis der Eltern untereinander
psychosexuelle Entwicklung
Geprüft von einem Therapeuten

Dieser Artikel wurde von unserem Expertenteam geprüft.

Geprüft von einem Therapeuten

Dieser Artikel wurde von unserem Expertenteam geprüft.

Newsletter

Unsere Newsletter

Mehr Infos, passend zu Ihren Bedürfnissen!

  • Wertvolle Tipps zu Schwangerschaft und Kindesentwicklung
  • Spannende Angebote & Rabatte
  • 5 € windeln.de Gutschein

Jetzt anmelden