Wie & was Babys sehen
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Arztgeprüft

Wie & was Babys sehen

Entgegen einiger medizinischer Annahmen im 20. Jahrhundert können Babys schon von Geburt an sehen.

Frau Dr. Rothe
von Dr. Anne Rothe
Kinderärztin
Wed, 28.06.2017 - 08:43 Wed, 10/16/2019 - 11:03

Babyentwicklung: Sehen - mit den Augen die Welt entdecken

Babys benötigen etwa ein Jahr, um ihre volle Sehstärke zu erreichen. Erst mit drei Jahren entspricht das Sehen dem eines Erwachsenen. Da sich aufgrund des stetigen Wachstums die Augen ständig verändern, empfehlen Augenärzte eine Kontrolle, wenn sie den Eindruck haben, Ihr Kind sehe nicht richtig. Je nach Alter wendet der Augenarzt bei einer Vorsorgeuntersuchung unterschiedliche Methoden an, um die Augen Ihres Babys zu untersuchen.

So zeigt er beispielsweise einem zwei Monate altem Baby zwei Karten. Eine graue und eine auffällig schwarz-weiss gemusterte. Schaut das Baby die kontrastreichen Muster lieber an, so spricht das für eine gute Entwicklung der Augen. Ab zweieinhalb Jahren können auch schon erste kindgerechte Sehtests eingesetzt werden, bei denen bestimmte Muster und Symbole zu erkennen sind.

Eine spezielle Baby-Brille kann schon im ersten Lebensjahr verordnet werden. Dies geschieht jedoch relativ selten, da Babys und Kleinkinder ihre Fehlsichtigkeit meist gut ausgleichen können bzw. mit dem Wachstum des Auges sich eine Kurz- oder Weitsichtigkeit korrigieren kann. Etwa sieben Prozent der Babys unter einem Jahr schielen laut einer aktuellen Studie. Fast jedes Baby ist in den ersten eineinhalb Jahren geringfügig weitsichtig.

Die Entwicklung der Sehkraft im ersten Lebensjahr

Im Gegensatz zum Hörsinn, der bereits nach vier Wochen sehr gut ausgereift ist und durch Erfahrungswerte verfeinert wird, entwickelt sich der Sehsinn eines Neugeborenen erst nach und nach.

Ein Baby kann schon im Mutterleib sehen und erblickt zur Geburt nicht nur wörtlich das Licht der Welt. Das Sehvermögen von Neugeborenen ist zunächst ziemlich unscharf. Sie können maximal bis 30 Zentimeter Abstand scharf sehen. Die Brust der Mutter sowie Gesichter empfinden Babys naturgemäss als besonders attraktiv. Ebenfalls sorgen starke Kontraste, wie Schachbrett-Muster bei vielen Babys für Aufmerksamkeit. Farbnuancen erkennen sie noch nicht.

Das Fokussieren von Gegenständen erfordert ein hohes Mass an Koordination und auch Augenmuskelkraft. Da beides trainiert werden muss, kommt es in den ersten Wochen bei vielen Babys oft dazu, dass sie vor lauter Anstrengung schielen. Sobald sie die Augen kurz schliessen, gibt sich das in der Regel wieder. Nach vier Wochen ist ein Baby oftmals sehr gut in der Lage, einem interessanten Gegenstand, wie einer Rassel, mit den Augen zu folgen.

Im zweiten und dritten Lebensmonat können Babys Farbnuancen immer besser erkennen und unterscheiden. Strahlende Primärfarben und immer kompliziertere Formen sorgen bis zum vierten Monat für erhöhtes Interesse. Rund um den vierten Monat beginnt Ihr Baby die Augen- Hand-Koordination und somit die Tiefenwahrnehmung intensiv zu trainieren. Dies ist eine wichtige Voraussetzung, um Dinge präzise zu greifen. Auch kleinere Gegenstände lernt Ihr Baby ab dem fünften Monat immer sicherer zu erkennen und in seine Hände zu nehmen.

Das (Wieder-)Erkennen von Gegenständen, auch wenn sie nur teilweise zu sehen sind, ist ebenfalls nach etwa vier Monaten möglich. Nun ist der richtige Zeitpunkt, um mit den beliebten Versteckspielen zu beginnen, mit denen Sie Ihr Kind noch einige Monate beschäftigen können.

Erst nach ungefähr acht Monaten ist die Sehkraft eines Babys soweit entwickelt, dass es seine Umwelt ähnlich wie ein Erwachsener wahrnehmen kann. Die Augenfarbe, die Ihr Kind auch als Erwachsener haben wird, zeigt sich bei den meisten Babys im neunten Monat. Mit der zunehmenden visuellen Wahrnehmung und Erfahrung lassen sich jetzt auch Spielzeuge im Raum entdecken. Nun ist die Zeit gekommen, an dem Ihr Baby auf weiter entfernte Spielzeuge zeigen wird, um sie mit Ihrer Hilfe möglichst schnell zu bekommen.

Zusätzlich animiert das Sehen von interessanten Dingen ausserhalb der eigenen Reichweite, den Drang, sich beispielsweise robbend, rollend oder krabbelnd vorwärts oder rückwärts zu bewegen. Nach einem Jahr kann Ihr Baby bekannte Personen auch in grösserer Entfernung problemlos erkennen.

Sehen als Lernprozess unterstützen

Je mehr Seherfahrungen Ihr Kleines sammelt, umso besser kann sich seine visuelle Wahrnehmung entwickeln. Aus diesem Grund können Sie beispielsweise am Wickelplatz für sichtlich Interessantes sorgen. Mobilés oder Bilder in leuchtenden Farben sind Beispiele, wie Sie den Sehsinn und auch die Aufmerksamkeit Ihres Babys spielerisch fördern können. Fühl- und Papp-Bilder-Bücher sorgen ebenfalls für spannende Augenblicke, bei denen nicht nur die Sehkraft, sondern auch das haptische Wahrnehmen, Hören und Sprachverstehen trainiert wird.

Fazit
Bereits im Mutterleib können die Augen des Ungeborenen ungefähr ab der 28. Schwangerschaftswoche Lichteinfall wahrnehmen. Ab der Geburt können Babys sehen, jedoch zunächst unscharf und nur kurze Entfernungen. In den ersten Lebensmonaten entwickelt sich die Sehfähigkeit kontinuierlich weiter und ist mit ungefähr 8 Monaten mit der von Erwachsenen vergleichbar. Voraussetzung für das Erreichen einer normalen Sehkraft sind viele verschiedene visuelle Sinneseindrücke und zwei gesunde Augen.
Tipps von Kinderärztin Dr. Anne Rothe
  • Das menschliche Gesicht ist das faszinierendste Beobachtungsobjekt für die kleinen Erdenbürger. Die Mimik seines Gegenübers ist für ein Kind eine wichtige Lernquelle und vor allem für die Entwicklung der eigenen Gefühle nützlich. Häufiger Blickkontakt mit Ihrem Baby insbesondere in Kombination mit Ansprache sind sehr wichtige Faktoren für eine gesunde Entwicklung.
  • In den ersten Monaten sind Spielzeuge mit kontrastreichen Farben oder Mustern für Babys attraktiver als gedeckte Farben. Bewegte Dinge, wie Mobilés oder Schwingfiguren, die an Federn auf und ab hüpfen, erregen leicht Aufmerksamkeit und werden oft lange betrachtet.
  • Ab dem vierten Lebensmonat „sehen“ Babys zunehmend auch mit dem Mund: alle erreichbaren Gegenstände werden zur besseren Wahrnehmung in den Mund gesteckt, denn auch im Mundraum kann sich das Kind durch das Ertasten eines Gegenstandes mit Lippen, Zunge und Gaumen ein „Bild“ von ihm machen. Wichtig ist hier immer, dass die Gegenstände gross genug sind und nicht aus Versehen verschluckt werden können.
Der Text wurde von einem Arzt geprüft

Dieser Artikel wurde von unserem Expertenteam geprüft.

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