Laktoseintoleranz bei Babys und Kleinkindern
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Laktoseintoleranz bei Babys und Kleinkindern

Nicht verwechseln: Laktoseintoleranz und Kuhmilchallergie - Bei der Ernährung von Babys und Kleinkindern ist (Mutter-)Milch der wichtigste Nährstofflieferant. Wissenswert ist, dass der grösste Teil, der für die Säuglingsernährung hergestellten Produkte auf Kuhmilchbasis hergestellt wird. Es gibt Kinder, die den in der Milch enthaltenen Zucker, die Laktose, nicht vertragen. Experten sprechen in diesem Zusammenhang von einer Laktoseunverträglichkeit oder Laktoseintoleranz. Was es damit aus sich hat, erfahren Sie in unserem Artikel:

windeln.ch Redaktion
von windeln.ch Redaktion
Thu, 17.08.2017 - 12:08 Thu, 11/08/2018 - 10:37

Laktoseintoleranz: Was ist das?

Der Begriff Laktoseintoleranz beschreibt die Unverträglichkeit von Milchzucker (wissenschaftlich: Laktose). Normalerweise wird der über die Nahrung aufgenommene Milchzucker mithilfe des Laktase-Enzyms in Glukose und Galaktose aufgespalten und dadurch für den menschlichen Organismus verwertbar.

Menschen, die unter Laktoseintoleranz leiden, produzieren dieses Enzym entweder gar nicht oder zu wenig, sodass ihr Organismus den Milchzucker nicht verwerten kann. Er bleibt unverdaut im Darm und wird dort von speziellen Bakterien in Milchsäure und verschiedene Gase umgewandelt.

Eine angeborene Laktoseintoleranz ist recht selten. Etwa ein bis drei Prozent aller Babys sind davon betroffen. Normalerweise beginnt der kindliche Dünndarm bereits im Mutterleib, Laktase zu produzieren, sodass der kleine Organismus sofort nach der Geburt Muttermilch optimal verwerten kann.

Laktoseintoleranz

Angeborene und vorübergehende Laktoseintoleranz

Die angeborene Milchzuckerunverträglichkeit liegt in einem Gendefekt begründet. Mediziner sprechen hier auch von einer Alaktasie. Der Darm der betroffenen Säuglinge kann keine funktionsfähige Laktase produzieren. Diese Form der Laktoseintoleranz geht weder vorüber, noch ist sie heilbar. Sie bleibt das ganze Leben bestehen. Bereits kleinste Mengen Laktose reichen aus, um die Beschwerden einer Laktoseintoleranz hervorzurufen.

Es gibt jedoch auch gesunde Babys, die lediglich vorübergehend an einer Laktoseintoleranz leiden. Zumeist tritt diese wenige Tage nach der Geburt auf und verschwindet innerhalb der ersten Lebensmonate, spätestens wenn der Darmtrakt weiter ausgereift ist, wieder.

Typische Symptome einer Laktoseintoleranz

  • untröstbares Weinen nach dem Stillen oder Fläschchen
  • anhaltender, teilweise dramatischer Durchfall
  • Blähungen
  • laute Geräusche im Bäuchlein
  • Bauchschmerzen, starke Koliken
  • Verstopfung

Werden die Symptome nicht rechtzeitig erkannt und entsprechend gehandelt, besteht als Folge die Gefahr der Unterernährung mit unzureichender Gewichtszunahme und Austrocknung.

Achtung! Säuglinge, die an einer angeborenen Laktoseintoleranz leiden, vertragen auch keine Muttermilch. Das äussert sich bereits während der ersten Lebenstage durch heftigen Durchfall. Jetzt ist schnelles Handeln gefragt. Im schlimmsten Fall kann der nicht aufgespaltene Milchzucker nämlich in den Blutkreislauf des Babys gelangen und dort schwere Vergiftungen auslösen.

Sofern Eltern bei ihrem Baby die genannten Symptome beobachten, ohne sie einer anderen Krankheit zuordnen zu können, sollten sie umgehend einen Kinderarzt aufsuchen!

Die Diagnose

Auch wenn dem Arzt verschiedene wissenschaftliche Testverfahren zur Verfügung stehen, ist die Diagnose einer Milchzuckerunverträglichkeit bei Babys vergleichsweise schwierig. Die meisten Untersuchungsverfahren dauern mehrere Stunden, während derer der Patient normalerweise nüchtern bleiben muss.

Das ist bei kleinen Kindern nicht praktikabel. Aus diesem Grund empfehlen Mediziner bei Babys und Kleinkindern im ersten Schritt, laktosehaltige Lebensmittel für etwa zwei bis vier Wochen vollkommen wegzulassen. Als Ersatz gibt es spezielle laktosefreie Säuglingsnahrung. Parallel zur Ernährungsumstellung wird dann ein spezieller Gentest durchgeführt, mit dessen Hilfe sich die angeborene Milchzuckerunverträglichkeit eindeutig nachweisen lässt.

Ernährung betroffener Babys und Kleinkinder

Der behandelnde Arzt verschreibt bei entsprechender Diagnose laktosefreie, dem jeweiligen Alter des Babys angepasste Spezialnahrung. Beispiele hierfür sind Humana SL Pulver, Milupa Aptamil SL milchfrei Pulver oder Töpfer Lactopriv Pulver. Diese Produkte basieren überwiegend auf hochwertigen Sojaproteinen und sind vollständig laktosefrei.

Auch bei der Einführung von Beikost müssen die Eltern, vor allem bei Fertignahrung, sorgfältig auf die Inhaltsstoffe achten. Nicht nur reiner Milchbrei enthält Laktose, sondern oft auch Kekse, Joghurt oder süsse Breisorten. Getreideprodukte, Gemüse, Fleisch und Obst können jedoch zumeist problemlos gefüttert werden.

Einige Anbieter haben auch spezielle laktosefreie Milchbreie im Sortiment. Bei Unsicherheiten empfiehlt sich immer die Rücksprache mit dem behandelnden Arzt.

Wie wird die Kalziumversorgung sichergestellt?

Für den Knochenaufbau und die Entwicklung gesunder Zähne benötigen Babys und Kinder viel Kalzium. Deshalb ist es wichtig, dass Kinder mit Laktoseintoleranz ausreichend laktosefreie Milchprodukte bekommen. Dafür gibt es spezielle Milchpulver-Präparate, in denen alle notwendige Mineralien und Vitamine enthalten sind.

Mit dem Beikoststart können die betroffenen Kinder einen Teil des notwendigen Kalziums über andere Lebensmittel, wie etwa Karotten, grünes Gemüse und Obst zu sich nehmen. Auch stilles Mineralwasser mit einem besonders hohen Kalziumgehalt ist zu empfehlen.

Merke: Laktosefreie Milch und daraus hergestellte Produkte haben den gleichen Kalziumgehalt wie Produkte aus "normaler" Milch.

Nicht verwechseln: Laktoseintoleranz und Kuhmilchallergie

Oft wird der Begriff Laktoseintoleranz in einem Atemzug mit dem Begriff Kuhmilchallergie genannt oder, sogar das eine als Synonym für das andere verwendet. Das ist falsch.

Während bei der Laktoseintoleranz das Laktase-Enzym fehlt und deshalb der Milchzucker in allen Milchprodukten vom Körper nicht gespalten werden kann und damit nicht vertragen wird, ist eine Kuhmilchallergie die Reaktion auf gewisse Milcheiweisse (meist beta-Lactoglobulin und Casein) in der Kuhmilch. Muttermilch vertragen Säuglinge mit Kuhmilchallergie dagegen sehr gut.

Die Kuhmilchallergie gehört zu dem am häufigsten auftretenden Nahrungsmittelallergien im Säuglings- und Kleinkindalter. Typische Symptome sind Magen-Darm-Probleme, die mit heftigen Koliken einhergehen und Hautausschlag.

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Dieser Artikel wurde von unserem Expertenteam geprüft.

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