Schütteltrauma: Wenn Eltern die Nerven verlieren
Schütteltrauma: Wenn Eltern die Nerven verlieren
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Therapeutengeprüft

Schütteltrauma: Wenn Eltern die Nerven verlieren

Die zugrunde liegende Absicht ist meist der Versuch, ein schreiendes Kind zu beruhigen - Wenn das Baby über Stunden schreit und sich durch nichts beruhigen lässt, ist die Überforderung bei den Eltern nachvollziehbar. Das Schütteln des Babys zur vermeintlichen Beruhigung ist hingegen keine Lösung, sondern lebensgefährlich. Wir informieren über Ursachen und Folgen und geben Anregungen zu alternativen Umgangsformen.

Nicole Ulrich
von Nicole Ulrich
Kindertherapeutin
Mon, 03.07.2017 - 16:04 Tue, 07/23/2019 - 14:43

Definition Schütteltrauma

Aus medizinischer Sicht bezeichnet der Begriff Schütteltrauma die schweren Formen von Hirnschädigungen, die in Folge heftigen Schüttelns bei einem Baby entstehen können. Das Baby wird hierbei am Oberkörper festgehalten und heftig hin- und hergeschüttelt. Die zugrunde liegende Absicht ist meist der Versuch der Aufsichtsperson, ein schreiendes Kind zu beruhigen.

In rechtsmedizinischer Hinsicht ist das Schütteltrauma eindeutig der Kindesmisshandlung zugeordnet und gilt als schwere Form der Kindeswohlverletzung.

Das Schütteln eines Säuglings oder Kleinkindes ist Akt massiver körperlicher Gewaltausübung und dementsprechend ein Straftatbestand.

Folgen für das Baby

Die Folgeschäden beim Kind hängen ab von der Intensität, der Dauer und der Häufigkeit des Schüttelns. Die Symptome reichen auf der körperlichen Ebene von Schmerzen, Lähmungserscheinungen, Erbrechen und Herzrhythmusstörungen bis hin zu massiven neurologischen Hirnschädigungen.

Eine erhebliche Körperbehinderung sowie Langzeitschäden in Form einer verzögerten Gesamtentwicklung, Sprachstörungen, Einschränkungen des Sehfeldes oder Beschwerden im Atemzentrum sind häufig. Die Problematik besteht vor allem darin, dass die unmittelbaren Folgen zunächst äusserlich nicht sichtbar sind, jedoch bis zum Tod des Kindes führen können.

In psychischer Hinsicht ist vor allem die emotionale Entwicklung des Kindes nachhaltig beeinträchtigt. Es entwickelt Ängste, Einschränkungen im Urvertrauen, wird schreckhaft, unsicher und psychisch instabil.

Erkennen eines Schütteltraumas

Die Diagnose durch einen Arzt ist häufig erschwert, da die Symptome auch auf andere Erkrankungen hinweisen können.

Einige Merkmale weisen jedoch auf eine Gewalteinwirkung hin, vor allem dann, wenn das Schütteln noch nicht allzu lange zurückliegt. Häufig lassen sich am Oberkörper und an den Armen Hämatome erkennen, die durch das massive Festhalten entstehen. Auch Knochenbrüche oder Wiederholungsverletzungen können einen Arzt hellhörig werden lassen.

Eine genaue Diagnose ist meist nur durch CT (Computer-Tomografie) oder MRT (Magnetresonanz-Tomografie) möglich. Bei diesen bildgebenden Verfahren sind Verletzungen in der Hirnregion, die für ein Schütteltrauma typisch sind, gut zu erkennen.

Behandlungsmöglichkeiten beim Kind

Die Behandlung hängt stark von den vorgefundenen Symptomen und der Schwere der Verletzungen ab. In der Regel wird das Baby in ein Krankenhaus gebracht und dort für wenigstens 24 Stunden beobachtet. Die Verletzungen werden versorgt. Die Gewalteinwirkung kann neben den sichtbaren Schädigungen auch Störungen hervorrufen, die sich erst im Nachhinein zeigen. Hierzu zählen beispielsweise eine Sauerstoffunterversorgung oder Epilepsie.

Neben einer eventuellen medikamentösen Behandlung sind häufig Fördermassnahmen notwendig, vor allem bei Schädigungen des Sprachzentrums. Die therapeutischen Massnahmen sind nötig, um mögliche Störungen der Sprachentwicklung oder auch der Sprachwahrnehmung und -verarbeitung zu behandeln.

Ursachen für das Schütteln

Die Gründe für das Schütteln liegen in erster Linie an einer massiven Überforderung der Bezugsperson. Meist führt das vorausgehende Schreien des Babys zu massivem Stress bei den Eltern. Sie sehen sich nicht in der Lage ihr Kind auf eine andere Art zu beruhigen und in Ruhe zu reagieren. Das fortdauernde Schreien wird als zermürbend wahrgenommen und führt entsprechend zu erheblichen Stressreaktionen beim Elternteil.

Vermeidungsstrategien

Das wichtigste Kriterium ist die Anerkennung und Akzeptanz der eigenen Überforderung einerseits und der unbedingten Schutzbedürftigkeit des Babys andererseits. Es ist keine Schande, überfordert zu sein und Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Ein über lange Zeit schreiendes Baby kann immens viel Stress hervorrufen und betroffene Eltern an ihre Grenzen bringen.

Es ist hilfreich, bereits im Vorfeld Strategien zu entwickeln, um in entsprechenden Reaktionen nicht die Nerven zu verlieren. Ein soziales Netz im nahen Umfeld, das im Notfall schnell erreichbar ist und zur Seite stehen kann, ist in dem Fall ideal. Wer auf eine solche Unterstützung nicht zurückgreifen kann, wird bei einer Schreibabyambulanz Gehör und Hilfe für die individuelle Situation finden. Auch ein Termin beim eigenen Kinder- und Jugendarzt und eine dortige Offenheit über die persönliche Situation können zur Entlastung beitragen.

Bei allem hat das Wohl des Kindes oberste Priorität. Es ist unter Umständen lebenswichtig, die Situation zu durchbrechen, in der die Gefahr besteht, das Baby aus Überforderung zu schütteln. Im Notfall ist es besser, das Kind sicher in sein Bett zu legen und für einige Minuten den Raum zu verlassen, um sich selbst zu beruhigen, als ihm Leid zuzufügen.

Beratungsstellen für hilfesuchende Familien

Wenn die Strategien zur Vermeidung in akuten Situationen nicht helfen, gibt es zahlreiche Stellen an die sich Eltern wenden können.

Der Verein Schreibabyhilfe bietet ein kostenloses Mama4Mama-Telefon an, unter 079 109 34 94 erreicht man ehrenamtliche Mütter und Therapeuten, die stets ein offenes Ohr haben. Mehr Informationen unter: www.schreibabyhilfe.ch

Für vertrauliche und anonyme Beratung stehen beim www.elternnotruf.ch unter 0848 35 45 55 rund um die Uhr professionelle Berater zum Gespräch zur Verfügung.

Tipps von Hebamme Ina Ilmer
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Geprüft von einem Therapeuten

Dieser Artikel wurde von unserem Expertenteam geprüft.

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