Alle unter einem Dach: Pflege von Großeltern und Kindern
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Alle unter einem Dach: Pflege von Grosseltern und Kindern

Die mittlere Generation steht in einem Mehrgenerationenhaus vor der grössten Herausforderung - Kinder, Eltern und Grosseltern unter einem Dach. In früheren Zeiten war ein solcher Mehrgenerationenhaushalt üblich. Auch heute entscheiden sich Familien aus verschiedenen Gründen noch für diese Art des Zusammenlebens. In vielerlei Hinsicht können alle Beteiligten davon profitieren, zwischen Jung und Alt gibt es jedoch auch Konfliktpotenzial.

windeln.ch Redaktion
von windeln.ch Redaktion
Thu, 22.06.2017 - 10:40 Fri, 02/23/2018 - 08:21

Generationsunterschiede

Zeitgeist, Bräuche, Sitten und Lebensführung sind von Generation zu Generation Wandlungen unterworfen. Entsprechend unterscheiden sich die Ansichten der Erwachsenen bezüglich Lebensführung und Erziehung.

Das kann sich wunderbar ergänzen, jeder kann von den Erfahrungen des anderen profitieren, aber auch Meinungsverschiedenheiten sind möglich. Insbesondere, wenn es um die Haushaltsführung und Erziehungsfragen geht, können die Generationen aneinandergeraten.

Ständige Auseinandersetzungen zehren an den Nerven der Erwachsenen und für Kinder sind klare Regeln und Abläufe wichtig. Sie bekommen von den älteren Generationen Werte übermittelt und orientieren sich an deren Vorbildfunktion. Sind Differenzen, was "richtig" und was "falsch" ist, an der Tagesordnung, führt das bei Kindern zu Verwirrung.

Das Zusammenleben organisieren

Mit mehreren Generationen unter einem Dach zu leben erfordert in allen Bereichen des Miteinanders Absprachen. Toleranz, Akzeptanz und Kompromissbereitschaft sind die wichtigsten Voraussetzungen, dass das Zusammenleben funktioniert.

Eine klare Aufgaben- und Rollenverteilung kann zu einem ausgewogenen Nehmen und Geben führen. Regeln sind wichtig, Sie sollten jedoch nicht stur an Ihnen festhalten. Gelegentlich ist es sinnvoll, sie zu überdenken und in einigen Bereichen anzupassen.

Jeder sollte seine eigenen Ansichten haben und vertreten dürfen, sie aber dem anderen nicht aufdrängen. Unterschiedliche Meinungen gehören zum Leben, sie müssen keine Doktrin, sondern können eine Anregung darstellen.

Setzen Sie sich regelmässig zusammen und sprechen Sie über alles, was Sie bewegt. So lassen sich Konflikte bereits im Ansatz offenlegen und Kompromisse finden. Offenheit aller Beteiligten vorausgesetzt, kann der Erfahrungsschatz jedes Einzelnen eine Bereicherung sein. Sicher hat die ältere Generation auch lustige Anekdoten zu erzählen, wie einst mit dieser oder jener Situation umgegangen wurde.

Akzeptieren Sie die Schwächen und Eigenheiten jedes Haushaltsmitglieds und versuchen Sie, die jeweiligen Fähigkeiten und Erfahrungen für ein positives Miteinander zu nutzen.

So können beispielsweise die Grosseltern tagsüber die Kinder betreuen, während Sie Ihrem Beruf nachgehen, und auch einige Haushaltsarbeiten übernehmen. Im Gegenzug können Sie Einkäufe erledigen und bei Dingen helfen, die älteren Menschen nicht mehr so leicht von der Hand gehen.

Von einem solchen Gefüge profitiert die Sozialkompetenz der Kinder. Sie erleben, wie das Nehmen und Geben funktioniert und wie Probleme gelöst werden können. Für die Eltern bedeutet es eine Erleichterung, die Grosseltern vereinsamen nicht, sondern haben vertraute Menschen um sich herum und dürfen Verantwortung übernehmen.

Sicher gibt es auch dann noch Konflikte: Wie viele Süssigkeiten dürfen die Kinder essen, wie viel Fernsehen ist erlaubt, welche Kleidung ist angemessen? Herrscht hier keine Einigkeit oder halten sich nicht alle an getroffene Absprachen, wissen Kinder das schnell auszunutzen - dürfen sie bei einer Person etwas nicht, wenden sie sich an die andere. Auf diese Weise wird eventuelles Konfliktpotenzial noch geschürt.

Die mittlere Generation steht in einem Mehrgenerationenhaus stets vor der grössten Herausforderung. Sie muss der älteren und der jüngeren Generation gegenüber ihre Elternrolle klarstellen und vertreten. Weder die eigenen noch die Bedürfnisse und Interessen der anderen dürfen dabei zu kurz kommen.

Eine gesunde Mischung aus Nähe und Distanz ist neben klaren Absprachen förderlich für das Zusammenleben. Dabei ist vor allem auch die Privatsphäre zu respektieren. Niemand sollte einfach in den Wohnraum des anderen eindringen.

Wird zum Beispiel die Küche gemeinsam genutzt, sollte es keine Rolle spielen, auf welche Weise der Haushalt geführt wird. Wichtig ist nicht wie, sondern dass etwas erledigt wird.

Besonders schwierig wird es, wenn die Grosseltern pflegebedürftig sind. Erfordert das Zusammenleben mehrerer Generationen ohnehin schon Organisationsgeschick, Fingerspitzengefühl und Kompromissbereitschaft, ist nun die Pflege der Grosseltern, die Betreuung der Kinder, die Haushaltsführung und gegebenenfalls der Beruf zu bewältigen.

Umgang mit Pflegebedürftigkeit

Wie die Pflege der älteren Generation organisiert wird, hängt vor allem von deren Gebrechen und dem Alter der Kinder ab. Es ist kaum möglich, 24 Stunden täglich für ein Baby da zu sein und zusätzlich noch ältere, bettlägerige Menschen angemessen zu versorgen. Neben dem Zeit- und Energieaufwand darf der finanzielle Aspekt nicht vernachlässigt werden.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich Unterstützung zu holen. Vielleicht leben noch andere Verwandte in der Nähe, die sich zu vereinbarten Zeiten um die pflegebedürftigen Personen kümmern oder im Haushalt helfen. Alternativ bietet es sich an, ausgebildete Pflegekräfte zu beauftragen.

In einigen Fällen kann es sinnvoll sein, den Wohnraum senioren- oder behindertengerecht einzurichten, um gebrechlichen Menschen das alltägliche Leben zumindest teilweise ohne Hilfe zu ermöglichen.

Finanzielle Unterstützung bei pflegebedürftigen Eltern

Bis zu einem gewissen Grad ist jeder verpflichtet, für den Unterhalt der pflegebedürftigen Eltern aufzukommen. Der eigene Lebensstandard darf allerdings darunter nicht leiden. Eine Familie, die eigene Kinder zu versorgen hat, gerät schnell an ihre Grenzen, wenn zusätzlich die ältere Generation zu pflegen ist und die Pflegemassnahmen auch noch finanziert werden müssen.

In der Schweiz sind die direkten Nachkommen grundsätzlich unterstützungspflichtig. In diesem Fall wird auf das Vermögen der Kinder oder Enkelkinder für die Finanzierung der Pflege der Eltern zurückgegriffen. Hier ist jedoch zu beachten, dass es von der Höhe des Einkommens der Nachkommen abhängt, ob die Pflege allein durch das Vermögen der Kinder oder Enkelkinder finanziert wird.

Reichen die vorhandenen Mittel und Zuschüsse nicht zur Finanzierung des Lebensunterhalts und der Pflege, besteht ausserdem die Möglichkeit, einen Antrag auf Sozialhilfe zu stellen.

Beratungsstellen

"Pro Senectute" ist die grösste und eine bedeutende Fach- und Dienstleistungsorganisation für Altersfragen in der Schweiz. Die gegründete Stiftung setzt sich für das Wohl, die Würde und die Rechte älterer Menschen ein.
"Pro Senectute" bietet 130 Beratungsstellen bei Fragen rund um Finanzen, Vorsorge, Pflegehilfe, Seniorenbetreuung und Wohnen im Alter in Ihrer Nähe an.

Nähere Informationen unter https://www.prosenectute.ch

Die eigenen Grenzen beachten

Bei aller Fürsorge ist es wichtig, selbst nicht zu kurz zu kommen. Niemand im gemeinsamen Haushalt hat letztendlich etwas davon, wenn Sie vor Erschöpfung zusammenbrechen.

Prüfen Sie alle Möglichkeiten, Unterstützung zu erhalten. Ein ambulanter Pflegedienst kann ebenso eine Entlastung darstellen wie eine Teilzeit-Pflegekraft, beides kann die Pflegekasse vermitteln.

Eventuell erhalten Sie auch über das Jugendamt Hilfe, wenn Sie der Pflegeaufwand derart auslastet, dass Sie Schwierigkeiten haben, die Kinderbetreuung und den eigenen Haushalt angemessen zu organisieren.

Fazit
Das Zusammenleben mehrerer Generationen in einem Haus kann eine Bereicherung für Kinder, Eltern und Grosseltern sein, aber auch Probleme mit sich bringen. Ein konstruktives Miteinander, bei dem niemand zu kurz kommt, erfordert unter anderem:
klare Absprachen
Kompromissbereitschaft
offene Kommunikation
Akzeptanz und Toleranz
Privatsphäre wahren
eventuelle Pflegebedürftigkeit der Grosseltern bedenken
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