Neue Mami, neuer Papi?
Neue Mami, neuer Papi - wenn Kinder die neuen Partner kennenlernen
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Therapeutengeprüft

Neue Mami, neuer Papi?

Neue Mami, neuer Papi - Kinder reagieren unterschiedlich darauf. Wie sie damit umgehen, wird durch mehrere Faktoren bestimmt: Das Alter kann ebenso eine Rolle spielen wie das Temperament und das Verhältnis zum bisherigen Partner.

Nicole Ulrich
von Nicole Ulrich
Kindertherapeutin
Tue, 29.08.2017 - 12:23 Tue, 07/23/2019 - 14:56

Wenn Kinder die neuen Partner kennenlernen

Auch, wie der neue Partner vorgestellt wird, kann die Reaktion beeinflussen. Ein unbefangenes Kennenlernen in angenehmer Umgebung und Fingerspitzengefühl kann dazu beitragen, die Situation für das Kind zu erleichtern.

Neue Partner können Kinder verwirren

Eine Trennung ist für Kinder schwer zu bewältigen. Je nach Alter ist es noch nicht in der Lage zu verstehen, warum der Papa oder die Mama nicht mehr im Haushalt lebt. Es kann mit verschiedenen Emotionen darauf reagieren, möglicherweise fühlt es sich sogar schuldig. Vielleicht hofft es, dass die Eltern wieder zusammenfinden.

Wird nun ein neuer Partner vorgestellt, hat das in vielen Fällen Ablehnung zur Folge. Ausserdem bedeutet es etwas Endgültiges, denn dann ist auf einmal kein Platz mehr für den anderen Elternteil. Das kann Eifersucht, Wut, Aggressionen oder Zurückgezogenheit auslösen.

Es muss nicht weniger schwierig sein, wenn das Kind bisher bei nur einem Elternteil aufgewachsen ist und den anderen gar nicht kennt: Da kommt auf einmal jemand, der die Mama oder den Papa wegnehmen will.

Unter solchen Voraussetzungen ist es schwierig, eine harmonische neue Partnerschaft aufzubauen. Es ist für alle Beteiligten wichtig, das Kind langsam an die neue Situation heranzuführen, auf seine Gefühle Rücksicht zu nehmen, ihm keinesfalls einfach einen Papa- oder Mama-Ersatz vorzusetzen.

Im Idealfall reagiert ein Kind verständnisvoll und akzeptiert einen neuen Partner an der Seite seiner Mutter oder seines Vaters. Je nach Alter können Sie die Situation erklären und über seine Gefühle sprechen. Aber auch bei kleinen Kindern können Sie zu einem entspannten Miteinander beitragen.

Neue Mami, neuer Papi - wann vorstellen?

Eine schwierige Frage: Wird der neue Partner frühzeitig vorgestellt, ist Ihre Beziehung möglicherweise noch nicht gefestigt und geht recht bald wieder auseinander. Wie soll es damit umgehen?

Andererseits kann sich bereits eine intensive Beziehung entwickelt haben, wenn Sie länger warten. Reagiert das Kind dann mit extremer Ablehnung, stellen Sie recht spät fest, dass ein Miteinander ohne dauerhafte Auseinandersetzungen nicht funktionieren kann.

Wie wäre es stattdessen mit einem entspannten Kennenlernen, bei welchem der neue Partner als lockerer Bekannter vorgestellt wird? Beide erhalten so Gelegenheit, sich unbefangen zu beschnuppern.

Das kann recht frühzeitig geschehen. Geht die - bisher nicht offizielle - Beziehung dann wieder auseinander, müssen Sie Ihrem Kind nichts erklären. Andernfalls können sich Partner und Kind langsam aneinander gewöhnen und Sie können es behutsam an die neue Situation heranführen.

Das erste Treffen mit Kind

Ältere Kinder können Sie durch Gespräche auf eine neue Partnerschaft vorbereiten. So erfahren Sie zugleich, wie ihr Kind darüber denkt und was es fühlt. Ob schliesslich die Chemie stimmt, wird sich natürlich erst beim tatsächlichen Zusammentreffen herausstellen. Ihr Kind kann sich aber vorab an den Gedanken gewöhnen und sich damit auseinandersetzen.

Reagiert es bereits im Vorfeld ungehalten, lassen Sie ihm Zeit und führen Sie weitere Gespräche. Sie merken selbst, wann Ihr Kind zu einem Kennenlernen bereit ist und hat eventuell selbst Vorschläge, wo es stattfinden soll. So fühlt es sich nicht übergangen, was die ganze Situation entspannen kann.

Bei kleinen Kindern bietet sich ein gemeinsamer Ausflug an. Sie können einen Zoo besuchen, den Nachmittag in einem Freizeitpark verbringen oder sonst etwas unternehmen, was Ihrem Kind Spass macht. Dort kann der neue Partner als ein Bekannter zu Ihnen stossen.

Achten Sie auf einen rein freundschaftlichen Umgang zwischen Ihnen und Ihrem Partner und gestalten Sie den Ausflug so, wie er Ihrem Kind Freude bereitet. So können beide unbefangen miteinander umgehen.

Vielleicht unternehmen Sie später noch weitere Ausflüge zu dritt. Auf diese Weise kann sich ein kumpelhaftes Verhältnis zwischen Kind und neuem Partner entwickeln. Sicher hat es nichts dagegen, wenn er Sie irgendwann auch mal als Gast zu Hause besucht.

Lassen Sie Ihrem Kind Zeit, Ihren Partner freundschaftlich kennenzulernen, überstürzen Sie nichts. Dasselbe gilt für Sie und Ihren Partner. Erst, wenn Sie sich beide ihrer Gefühle füreinander und der Herausforderung der Konstellation mit dem Kind sicher sind, sollten Sie sich ihm einfühlsam offenbaren.

In einer ruhigen Minute können Sie zum Beispiel beiläufig erwähnen, dass Sie den Menschen, zu dem Ihr Kind nun nach und nach kameradschaftliche Bande geknüpft hat, auch sehr mögen. Möglicherweise freut es sich mit Ihnen, eventuell reagiert es aber auch ungehalten.

Die Reaktion des Kindes

Trotz, Tränen, Eifersucht, alles ist möglich, wenn Ihr Kind das Gefühl hat, nun an zweiter Stelle zu stehen. Das kann insbesondere dann der Fall sein, wenn beide Elternteile neue Partner haben. Aggression kann durchaus eine Schutzhaltung sein.

Wiederum müssen Sie Ihrem Kind Zeit lassen. Idealerweise haben Sie den Moment der Offenbarung gut vorbereitet, Sie können es dann an die schönen gemeinsamen Stunden erinnern sowie daran, dass es sich doch mit dem neuen Mann oder der neuen Frau an Ihrer Seite auch gut verstanden hat.

Mit Geduld und Verständnis kann es selbst feststellen, dass der neue Partner ihm die Mama oder den Papa nicht wegnimmt, sondern das gemeinsame Leben bereichert.

Ging der neuen Partnerschaft eine Trennung voraus, ist der Umgang damit ebenso wichtig wie das behutsame Heranführen an den neuen Partner: Er darf dem Kontakt mit dem nicht anwesenden Elternteil nicht im Wege stehen, dieser muss sich ebenfalls loyal verhalten. Die Bedürfnisse des Kindes sollten an erster Stelle stehen.

Stabile Verhältnisse sind wichtig

Kaum ein Kind möchte einen Ersatz für einen Elternteil, mit dem es nicht mehr zusammenlebt. Die Mama muss die Mama, der Papa der Papa bleiben dürfen. Deshalb kann es sich sträuben, einen neuen Partner Mama oder Papa zu nennen und sollte das keinesfalls tun müssen. Es kann sich freiwillig dazu entscheiden, jeglicher Zwang ist kontraproduktiv.

Durch eine neue Partnerschaft gewinnt es im Idealfall eine Vertrauensperson hinzu, die ihm Halt gibt. Vom neuen Partner erfordert das Souveränität, vor dem Kind sollte er dem abwesenden Elternteil unabhängig von seiner tatsächlichen Meinung stets Respekt zollen. Möglicherweise entscheidet es im Laufe der Zeit stolz, jetzt zwei Mamis oder Papis zu haben.

Schwierig wird es, wenn erneut eine Trennung ansteht. Das Kind hat sich mit dem neuen Lebenspartner arrangiert und eine Beziehung zu ihm aufgebaut, er ist zu einem Bestandteil der Familie geworden.

Wie nach einer Trennung vom leiblichen Elternteil sind auch bei einer folgenden Partnerschaft geregelte Verhältnisse im Interesse des Kindes erforderlich. Möchte es dies, sollte es weiterhin Kontakt pflegen dürfen.

Aus diesem Grund ist es so wichtig, dass sich beide Partner ihrer Sache möglichst sicher sind, bevor ein neuer Lebensgefährte als solcher eingeführt wird.

Mit jeder Trennung verliert das Kind ein stabiles Gefüge, welches es für eine gesunde Entwicklung so dringend benötigt. Im Falle einer Trennung sollte es ebenso behutsam damit konfrontiert werden wie mit einer neuen Partnerschaft beider Elternteile.

Das Kind mit einem neuen Partner bekannt machen erfordert Zeit und Fingerspitzengefühl:

  • unverfängliche Treffen arrangieren
  • neuen Partner zunächst als einfachen Freund vorstellen
  • Bedürfnisse des Kindes berücksichtigen
  • einfühlsam mit Ablehnung umgehen
  • neuer Partner ist kein Elternersatz
  • weiterhin Kontakt zum leiblichen Elternteil ermöglichen
Geprüft von einem Therapeuten

Dieser Artikel wurde von unserem Expertenteam geprüft.

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