Verhalten gegenüber Fremden schulen
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Therapeutengeprüft

Verhalten gegenüber Fremden schulen

Eine kindgerechte Aufklärung über den Umgang mit Fremden ist wichtig - Spätestens mit Schulbeginn ist es soweit: Kinder bewegen sich immer öfter ohne die Begleitung Ihrer Eltern oder anderer enger Bezugspersonen draussen auf dem Spielplatz, dem nahegelegenen Park oder auf dem Kindergarten- bzw. Schulweg.

Nicole Ulrich
von Nicole Ulrich
Kindertherapeutin
Tue, 29.08.2017 - 09:26 Tue, 07/23/2019 - 14:45

Sicherheit für kleine Weltentdecker: Verhalten gegenüber Fremden schulen

Dieser neu gewonnene Freiraum bietet kleinen Weltentdeckern einerseits die Chance immer selbstständiger zu werden. Andererseits birgt er die Gefahr, dass ein Kind zum falschen Zeitpunkt der falschen, unbekannten Person begegnen kann.

Aber auch schon vor den alleinigen Streifzügen durch die Nachbarschaft gibt es immer wieder unbeobachtete, kurze Augenblicke, in denen Ihr Kind einem Fremden näher kommen kann. Angesichts regelmässig erscheinender Nachrichten zu Übergriffen auf Kinder bereitet dieser Gedanke vielen Familien grosse Sorge um Ihre Kleinsten.

Es stellt sich vielen Eltern die Frage: Wie kann ich meinem Kind Distanz und den sicheren Umgang mit Unbekannten erklären?

Die natürlichen Schutzmechanismen der Kleinsten unterstützen

Babys und Kleinkindern unter drei Jahren ist nur schwer erklärbar, wie sie angemessen auf die Begegnung mit Fremden reagieren sollten. Natürliche Schutzreaktionen, wie Fremdeln, sollten Eltern nie negativ sehen und gar verhindern wollen. Sie können gefährliche Situationen mit ungebetenen Fremden vermeiden und helfen dabei ein gesundes Verhalten gegenüber Unbekannten auszubilden.

Natürlich ist es schön, wenn ein Kind sich im Umgang mit Anderen offen, freundlich und höflich zeigt. Das wird auch häufig der Fall sein, wenn es nahe Bezugspersonen entsprechend vorleben.

Empfindet ein Kind einen Fremden allerdings als unsympathisch oder merkt, dass die Eltern selbst Vorbehalte haben, ist es richtig und natürlich, wenn es sich zurückhaltend, unhöflich und distanziert zeigt.

Kindgerecht über das Verhalten gegenüber Fremden sprechen

Im Kindergartenalter kommen häufig passende Momente oder Anlässe, in denen es sich anbietet, mit seinem Kind über die Begegnung und das Verhalten gegenüber Fremden zu sprechen. Sie sollten allerdings wissen, dass nur die wenigsten Übergriffe auf Kinder durch vollkommen Fremde begangen werden.

Häufig geschehen sie im Bekannten- oder sogar Verwandtenkreis. Dennoch ist eine kindgerechte Aufklärung über den Umgang mit Fremden wichtig.

Laut Psychologen verstehen Kinder ab dem vierten Lebensjahr, dass es Menschen gibt, die nicht immer gute Absichten haben. Sie lernen zwischen Gut und Böse zu differenzieren und bilden sich ein entsprechendes Weltbild. Wenn sie erfahren, dass es sinnvoll ist, Fremden zunächst mit Distanz zu begegnen, sehen sie dies häufig schnell ein.

Aber auch hier gilt: das vorbildhafte Handeln der Eltern unterstützt solch eine Haltung zusätzlich. Begegnen Sie Fremden höflich, aber zunächst auch distanziert, wird Ihr Kind das entsprechend beobachten und seine Schlüsse daraus ziehen.

Damit Eltern das Thema gegenüber Ihrer Kleinen kindgerecht ansprechen können, sind Kinderbücher empfehlenswert. Hilfreich ist die Vereinbarung klarer Regeln. Diese sollen dem Kind nicht sagen, dass es da draussen nur böse Menschen gibt. Sie fungieren vielmehr als Hilfsmittel für Situationen, in denen Kinder ohne entsprechende Gespräche vielleicht keinen Rat wüssten.

So sollten Sie mit dem Kind klären, zu wem es beispielsweise ins Auto steigen darf. Auch die typischen Situationen, wie das Versprechen von Süssigkeiten oder das Anschauen von Tierkindern, sollten Sie gegenüber Ihrem Kind ansprechen. Nur wenn es um solche Gefahren weiss, hat es die Möglichkeit diese rechtzeitig zu erkennen bzw. diesen von vornherein aus dem Weg zu gehen.

Ermuntern Sie Ihr Kind auf die eigenen Gefühle zu vertrauen. Dies lässt sich allerdings nicht nur durch Gespräche erreichen. Vielmehr lernen Kinder durch die Reaktionen der Eltern und anderer enger Bezugspersonen, ob Ihre Gefühle wichtig sind oder nicht. So lernen Kinder beispielsweise nur schwer, auf die eigenen Gefühle zu vertrauen, wenn Eltern immer wieder die Wünsche des Kindes übergehen.

Ein kratzender Pullover, den ein Kind keinesfalls anziehen möchte, aber dennoch tragen muss, ist nur ein alltägliches, kleines Beispiel, wie Eltern gegen die sinnhaften und berechtigten Empfindungen Ihrer Kinder handeln. Einzelne solcher, oftmals unbeabsichtigter Verhaltensweisen, werden das Selbstvertrauen des Kindes kaum schädigen.

Kommt es häufiger zu solchen Reaktionen, kann sich dies allerdings problematisch auf das Selbstvertrauen und somit den Umgang mit Personen, die persönliche Grenzen überschreiten, auswirken.

Zu den Grundregeln, die Sie mit Ihrem Kind vereinbaren sollten zählen, dass es:

  • andere Personen in Gefahrensituationen sofort um Hilfe bittet,
  • deutlich sagen kann: "Das will ich nicht." oder "Nein.",
  • Fremde stets mit "Sie" angesprochen werden (ab Grundschulalter),
  • Ihnen und anderen Bezugspersonen stets Bescheid gibt, wo es ist,
  • immer wieder pünktlich Zuhause bzw. an vereinbarten Treffpunkten ist,
  • das Fehlen von Freunden, Mitschülern und Geschwistern sofort meldet,
  • nie mit Fremden mitgeht oder zu ihnen ins Auto steigt,
  • nie die eigene Adresse Unbekannten mitteilt.

Ebenfalls sollten Sie mit Ihren Kindern üben, Personen und Fahrzeuge zu beschreiben. Auch die Notrufnummern 110 und 112 sowie die eigene Adresse sollten Kindergartenkinder schon kennen. Die Polizei rät Kindern die 3L-Fluchtregel zu erklären, bei der Licht-Lärm-Leute als Orientierungspunkte für die Flucht aus Gefahrensituationen dienen.

Geprüft von einem Therapeuten

Dieser Artikel wurde von unserem Expertenteam geprüft.

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