Frühgeburt in der SSW 28-33
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Hebammengeprüft

Frühgeburt in der SSW 28-33

Noch vor wenigen Jahren galt die SSW 28 als der frühestmögliche Zeitpunkt für die Lebensfähigkeit von Babys nach einer Frühgeburt. Durch die Möglichkeiten der modernen Medizin hat sich diese kritische Grenze weit nach vorn - in die 23. bis 25. Schwangerschaftswoche - verschoben. Kinder, die in der SSW 28 - 33 geboren werden, haben fast ausnahmslos sehr gute Überlebenschancen.

windeln.ch Redaktion
von windeln.ch Redaktion
Thu, 17.08.2017 - 10:23 Wed, 12/06/2017 - 15:57

Die Überlebenswahrscheinlichkeit dieser Frühchen liegt bei 96 bis 98 Prozent

Die Überlebenswahrscheinlichkeit von Frühgeborenen liegt in der 28. Schwangerschaftswoche bei 96 Prozent, bis zur 32. Schwangerschaftswoche ist sie auf 98 Prozent gestiegen. Ab der SSW 33 unterscheidet sie sich kaum noch von Kindern, die zum errechneten Geburtstermin geboren werden.

Die Gefahr von schweren Komplikationen oder dauerhaften Schädigungen durch die vorzeitige Geburt nimmt ab der SSW 28 kontinuierlich ab. Ausschlaggebend sind hier vor allem das Geburtsgewicht sowie eine stetige nachgeburtliche Gewichtszunahme.

Die Funktionsfähigkeit der kindlichen Organe bildet sich mit jeder zusätzlichen Woche im Mutterleib rapide weiter aus. Die grösste Schwachstelle bei einer vorzeitigen Geburt wird für einige Wochen noch die Lungenreifung sein, was sich durch Atemunterstützung und Medikamente jedoch wirksam kompensieren lässt.

Frühgeburten in der SSW 28 - 33 im Überblick

SSW 28

In der SSW 28 misst ein gesundes Baby in der Scheitel-Fersen-Länge etwa 37 Zentimeter und wiegt rund 1.100 Gramm. Zwar handelt es sich dabei um Durchschnittswerte, die längst nicht alle Frühgeborenen erreichen - trotzdem haben viele von ihnen bei einer vorzeitigen Geburt in dieser Woche gute Chancen, eine kritische Gewichtsgrenze zu überschreiten.

Bei einem Geburtsgewicht von mindestens 1.000 Gramm sinkt das Risiko für viele Komplikationen und Gesundheitsstörungen, die sich aus einer Frühgeburt ergeben können.

Die Ausbildung der Organe ist in der SSW 28 fast abgeschlossen, auch in einer normal verlaufenden Schwangerschaft würde es für das Baby ab jetzt vor allem um weiteres Längenwachstum und Gewichtszunahme gehen. Die Blutgefässe der Lunge haben sich weiter ausgebildet, das Surfactant - ein oberflächenaktiver Stoff, der für die Entwicklung der Lungenfunktionen wichtig ist - wird in immer grösseren Mengen produziert.

Eine Atemunterstützung ist bei einer Geburt in der SSW 28 in der Regel trotzdem noch erforderlich. Auch die Nieren haben ihre Arbeit bereits aufgenommen, so dass bei einer vorzeitigen Geburt die Wahrscheinlichkeit von Ausscheidungsproblemen oder Nierenversagen deutlich kleiner wird.

Das Gehirn reagiert immer komplexer auf äussere Reize und verarbeitet sie in Träumen. Für die gesunde Entwicklung Ihres Babys ist jetzt viel Schlaf und Ruhe wichtig. Da es seinen Wärmehaushalt noch nicht eigenständig regulieren kann, wird es zumindest zeitweise noch im Inkubator ("Brutkasten") bleiben müssen.

Sie werden jedoch bald feststellen, dass Ihr Baby in Ihrem Armen oder auf Ihrem Bauch - beim sogenannten "Känguruing" - tiefer und besser schläft. Wenn Sie ihm in solchen Kuschelzeiten leise vorlesen oder Lieder singen, wird es Ihre Stimme wiedererkennen und sich durch sie beruhigen lassen.

Für den Skelettaufbau und die Gehirnentwicklung Ihres Babys sind ab jetzt viel Kalzium und reichlich Proteine wichtig. Muttermilch ist - falls Ihr Baby noch nicht trinken kann, gegebenenfalls über eine Magensonde - dafür die beste Kost, da ihre Zusammensetzung sich auch bei einem Frühchen den Bedürfnissen des Kindes anpasst.

SSW 29

In der SSW 29 ist das Baby etwa 39 bis 40 Zentimeter lang und wiegt rund 1.250 Gramm. Wenn es in dieser Woche auf die Welt kommt, ist die Entwicklung seiner inneren Organe bis auf die Lungenreifung sowie die weitere Differenzierung der Nerven- und Gehirnfunktionen im Wesentlichen abgeschlossen.

Bis zum regulären Geburtstermin hätten sie allerdings noch elf Wochen "Trainingszeit" in einem geschützten Raum gehabt. Das Immunsystem des Babys macht jetzt eine wichtige Entwicklungsphase durch, die nach einer Frühgeburt jedoch nicht mehr durch den Transfer mütterlicher Antikörper unterstützt wird.

Trotzdem ist die Anfälligkeit für Infekte bei einer Geburt in der SSW 29 bereits deutlich geringer als in den vorhergehenden Wochen. Das Kind hat jetzt bereits den ersten "Babyspeck" entwickelt, möglicherweise kann es daher seinen Wärmehaushalt schon über einen längeren Zeitraum eigenständig regulieren und ist nicht mehr ständig auf den Inkubator oder ein Wärmebettchen angewiesen.

Auch die Gefahr von Folgeschäden reduziert sich bei einer vorzeitigen Geburt in dieser Woche weiter.

SSW 30

In der SSW 30 ist das Baby etwa 40 Zentimeter lang und wiegt rund 1.400 Gramm. Die Entwicklung seines Verdauungssystems ist jetzt fast abgeschlossen. Auch bei einer Geburt in dieser Woche wird Ihr Baby die Muttermilch möglicherweise noch einige Zeit über eine Magensonde erhalten - solange es seine Atmung und seinen Saug- und Schluckreflex nicht sicher koordinieren kann, wird es durch eine Still- oder Flaschenmahlzeit noch nicht satt.

Parallel dazu können Sie beginnen, ihm die Milch mit einem Trinkbecher zu geben und auch schon versuchen, Ihr Baby zum Stillen anzulegen, um seine Reflexe und Geschmacksempfindungen zu trainieren. Der Körperkontakt beim Stillen tut Ihnen selbst, vor allem aber Ihrem Baby gut.

Bei einer Frühgeburt in der SSW 30 verfügt das Kind oft bereits über genügend Fettreserven, um seinen Wärmehaushalt eigenständig in Balance zu halten. Auf eine Atemunterstützung durch Luftröhren-Intubation kann jetzt meist verzichtet werden.

Falls noch einige Atemprobleme bestehen sollten, wird durch Sauerstoffgaben über Nasenschläuche ein permanent positiver Lungendruck erzeugt - medizinisch heisst dieses Verfahren CPAP-Beatmung ("continuous positive airway pressure").

SSW 31

In der SSW 31 ist das Baby etwa 42 Zentimeter lang und wiegt rund 1.600 Gramm. Bei einer vorzeitigen Geburt wird es ab dieser Woche kaum noch grössere Probleme haben. Die Lungen des Kindes sind jetzt fähig, sich vollständig aufzublähen. Möglicherweise reicht das produzierte Surfactant bereits für das eigenständige Atmen aus, bei Bedarf kommt zur Unterstützung die CPAP-Beatmung zum Einsatz.

Eine Intubation wird ab jetzt nur noch in Ausnahmefällen vorgenommen. Verdauung, Auch Stoffwechsel und Ausscheidungsfunktionen haben sich in der SSW 31 stabilisiert. Der Aufenthalt im Inkubator hat jetzt nur noch eine unterstützende Funktion und schützt das Kind ausserdem vor dem Kontakt mit Krankheitskeimen.

SSW 32 und SSW 33

In der SSW 32 ist das Baby etwa 43 Zentimeter lang und wiegt rund 1.800 Gramm. In der SSW 33 hat es im Durchschnitt nochmals einen Zentimeter Längenwachstum hinter sich gebracht, sein Gewicht liegt jetzt bei etwa 2.000 Gramm. Bei einer Geburt in der SSW 32 oder 33 bringt es bereits fast alles mit, was es für das Leben ausserhalb des Mutterleibes braucht.

Die Lungenbläschen sind voll ausgebildet. Auch das Immunsystem des Kindes hat inzwischen seine Arbeit aufgenommen. Das Gehirn des Babys macht in diesen beiden Wochen nochmals eine intensive Wachstumsphase durch. Ab der SSW 32 ist die Magensonde meist endgültig überflüssig - das Kind kann komplett gestillt werden oder seinem körperlichen Entwicklungsstand angemessene Babymilch bekommen.

Falls das Baby in den ersten Tagen nach der Geburt seine Körpertemperatur noch nicht kontinuierlich halten kann, erleichtert der Inkubator für einige Zeit die Anpassung an die Aussenwelt. Den meisten Frühgeborenen fehlen im Vergleich zu anderen Neugeborenen in der SSW 32 nur noch einige Fettreserven, was sie vorerst noch sehr zerbrechlich wirken lässt.

Das Risiko für Komplikationen und Entwicklungsdefizite sinkt mit jeder Woche

Bei einem ansonsten gesunden Frühchen müssen Sie mit zunehmender Dauer Ihrer Schwangerschaft nicht mehr mit großen Schwierigkeiten rechnen. Der Aufenthalt auf der Frühgeborenen-Station wird bei den meisten Babys, die ab der SSW 28 oder 29 geboren werden, nur noch einige Wochen, bei noch späteren Geburten nur noch einige Tage dauern.

Kinder, die nach der SSW 30 zur Welt kommen, weisen gegenüber "termingerecht" geborenen Kindern ihrer Altersgruppe meist keine Entwicklungsdefizite auf.

Für die Eltern eines zu früh geborenen Kindes ist die vorzeitige Geburt allerdings oft ein grosser Schock und vor allem, wenn das Baby noch in der Klinik ist, eine grosse emotionale und seelische Belastung. Auch nach der Entlassung aus dem Krankenhaus wird ihr Kind möglicherweise noch für längere Zeit fragiler und empfindlicher sein als andere Babys.

Die persönlichen Belastungen sind nochmals grösser, wenn bereits Geschwisterkinder da sind. Wichtig ist nach Frühgeburten deshalb, dass Sie sich von Anfang an Unterstützung holen.

Diese kann von Familienangehörigen und Freunden, aber auch - nicht zuletzt dann, wenn der Alltag mit einem zu früh geborenen und möglicherweise zunächst kranken Kind Ihre Paarbeziehung auf eine harte Belastungsprobe stellt - von einem Paartherapeuten oder anderen professionellen Helfern

© Tobilander - Fotolia.com

Fazit
Babys, die in der SSW 28 - 33 geboren werden, haben dank der Möglichkeiten der modernen Medizin heute gute bis sehr gute Überlebenschancen.
Die Überlebenswahrscheinlichkeit dieser Frühchen liegt bei 96 bis 98 Prozent.
Eine vorzeitige Geburt ab der SSW 30 oder 31 hat nur bei zwei bis drei Prozent der betroffenen Kinder langfristige Beeinträchtigungen und Entwicklungsdefizite zur Folge, die sich durch entsprechende Behandlung erheblich bessern oder völlig kompensieren lassen.
Hebammentipps von Ina Ilmer
  • Viele Eltern nehmen ihre Stimme, vorgelesene Geschichten oder Lieder auf eine CD auf, die dem Baby im Brutkasten vorgespielt werden kann. Dieses Vorgehen hat sich als sehr positiv herausgestellt und ist zu empfehlen. Auch der Geruch von Mama und Papa zum Beispiel in Form eines getragen T-Shirts ist eine schöne Sache für das Baby in der Kinderklinik.
  • Um den empfindlichen Magen-Darm Trakt vor Entzündungen zu schützen, ist Muttermilch gerade für Frühgeborene sehr wichtig.
  • Bei Frühgeburten ist man häufig noch gänzlich unvorbereitet. Die Babyaustattung ist schnell besorgt. Was häufig viel größere Probleme macht, ist sich psychisch und emotional auf das Baby einzustellen. Nehmen Sie sich dazu Hilfe und Unterstützung, Liebe muss wachsen.
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Dieser Artikel wurde von unserem Expertenteam geprüft.

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