Hämorrhoiden in der Schwangerschaft
Hämorrhoiden in der Schwangerschaft
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Arztgeprüft

Hämorrhoiden in der Schwangerschaft

Hämorrhoiden in der Schwangerschaft sind ein ungeliebtes Thema, jedoch alles andere als selten. Etwa die Hälfte aller schwangeren Frauen leidet mehr oder weniger stark darunter. Frauen, die bereits zu einem früheren Zeitpunkt Hämorrhoiden hatten, tragen ein grösseres Risiko, dass diese während der Schwangerschaft wiederkommen. Zum Teil treten die Beschwerden während der Schwangerschaft oder bei der Geburt jedoch auch erstmals und völlig unvermittelt auf.

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von Dr. Verena Breitenbach
Fri, 30.06.2017 - 11:22 Tue, 07/23/2019 - 12:17

Vorbeugung durch ausgewogene Ernährung, Trinken und Bewegung

Hämorrhoiden in der Schwangerschaft können zwar unangenehm und schmerzhaft sein, Sorgen brauchen Sie sich deshalb jedoch nicht zu machen. Meistens verschwinden sie kurze Zeit nach der Geburt von ganz allein. In seltenen Fällen muss der Arzt sie durch eine kleine Operation entfernen.

Die beste Vorbeugung gegen Hämorrhoiden in der Schwangerschaft sind eine gesunde, vollwertige Ernährung mit vielen Ballaststoffen, reichliches Trinken und Bewegung. Zur Linderung akuter Beschwerden durch Hämorrhoiden in der Schwangerschaft eignen sich Hausmittel und verschiedene Naturarzneien.

Was sind Hämorrhoiden?

Hämorrhoiden kann jeder Mensch bekommen. Sie entstehen in einem Gewebepolster um den Darmausgang, das von vielen kleinen Blutgefässen durchzogen wird und zusammen mit dem Schliessmuskel dafür sorgt, dass der Darm abgedichtet wird. Mediziner bezeichnen diesen Schwellkörper als Plexus hämorrhoidalis.

Was wir in der Alltagssprache Hämorrhoiden nennen, sind Erweiterungen der Blutgefässe am Darmausgang - salopp gesprochen: Krampfadern am After. Medizinisch korrekt werden diese Gefässerweiterungen als "Hämorrhoidalleiden" bezeichnet.

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Die Unterteilung in "innere" und "äussere" Hämorrhoiden gilt heute als veraltet, stattdessen unterscheiden Ärzte zwischen vier Erkrankungsgraden. Bei Grad 1 und 2 dringen die erweiterten Gefässe nicht nach aussen, solche leichten Hämorrhoiden sind meist nicht sehr schmerzhaft.

Hämorrhoiden 3. und 4. Grades treten beim Stuhlgang oder während der Presswehen aus dem After heraus - zum Teil gleiten sie wieder in den Darm zurück, andere sind äusserlich als Knoten fühlbar und zeigen oft deutliche Entzündungszeichen.

Die Gefässerweiterungen können zwar bluten, schmerzen oder jucken selber jedoch nicht. Trotzdem sind die Folgen eines Hämorrhoidalleidens ausgesprochen lästig. Durch die erweiterten Gefässe ist der Darmausgang nicht mehr vollständig verschlossen. Die Haut wird permanent durch minimale Stuhlverunreinigungen und Schleim gereizt, was zu Jucken, Brennen oder Schmerzen führen kann. Entzündete grössere Hämorrhoiden können zeitweise sehr schmerzhaft sein.

Warum entstehen Hämorrhoiden in der Schwangerschaft?

Eine Schwangerschaft hat gewisse begünstigende Faktoren für Hämorrhoiden:

  • Die Schwangerschaftshormone erweitern die Gefässe und lockern das Gewebe des Körpers auf.
  • Der wachsende Uterus, aber auch Fettpölsterchen oder Wassereinlagerungen erschweren den Rückfluss des Blutes in den Gefässen, besonders sensibel sind hier die Bein- und Beckenvenen. Oft hat eine Schwangerschaft nicht nur Hämorrhoiden, sondern auch Krampfadern zur Folge.
  • Die wachsende Gebärmutter drückt auf den Darm, was in den Gefässen des Enddarms zu einem Blutstau führen kann. Daraus resultieren eine verlangsamte Tätigkeit des Darms und in vielen Fällen auch Verstopfung. Das stärkere Pressen beim Toilettengang übt zusätzlichen Druck auf die Blutgefässe am After aus. Den gleichen Effekt haben die Presswehen bei der Geburt.

Lassen sich Hämorrhoiden in der Schwangerschaft vermeiden?

Der effektivste Weg, Hämorrhoiden in der Schwangerschaft zu vermeiden, besteht darin, Verstopfungen zu verhindern. Eine gesunde Vollwertkost mit vielen Ballaststoffen sorgt dafür, dass Ihr Darm trotz der Belastung durch die Schwangerschaft gut funktioniert. Ballaststoffe finden sich beispielsweise in Obst, Gemüse, Vollkornerzeugnissen, Trockenfrüchten oder Müsli. Trockenobst - Pflaumen, Aprikosen, Rosinen, Feigen, Datteln - ist auch bei einer bestehenden Verstopfung oft sehr wirksam.

Eine zusätzliche Dosis an Ballaststoffen können Sie sich in Form von Gummi arabicum - einem geschmacksneutralen Produkt aus dem Saft einiger Akazienarten - aus Reformhaus oder Apotheke holen. Milchprodukte wie Naturjoghurt, Buttermilch oder Molke halten Ihre Darmflora in Balance und wirken auf diese Weise ebenfalls verdauungsfördernd.

Reagieren Sie möglichst sofort auf den Druck des Darmes, lassen Sie sich beim Toilettengang Zeit und versuchen Sie, nicht allzu stark zu pressen. Bei hartnäckigen Verstopfungen können Sie Ihren Arzt um ein Medikament zur Stuhlerweichung bitten.

Ebenso wichtig für eine funktionierende Verdauung sind reichliches Trinken und Bewegung. Ärzte empfehlen in der Schwangerschaft das Trinken von acht bis zehn Gläsern - also zwei bis 2,5 Litern - Flüssigkeit pro Tag. Gut geeignet sind dafür stilles Wasser, ungesüsste Kräutertees und Fruchtsaftschorlen.

Sanfter Sport, Gymnastik, Yoga oder - wenn für ein Sportprogramm Ihre Zeit nicht reicht - ein regelmässiger, schneller Spaziergang sorgen in der Schwangerschaft für grösseres Wohlbefinden und halten auch Ihren Darm "in Form".

Regelmässiges Beckenbodentraining ist während der Schwangerschaft und nach der Geburt aus vielen Gründen wichtig. Auch zur Vorbeugung gegen Hämorrhoiden in der Schwangerschaft hervorragend geeignet. Eine sehr wirkungsvolle Übung zur Stärkung des Analschliessmuskels und der analen Venen besteht darin, dass Sie den Muskel bis zu 50 Mal in schneller Folge anspannen und wieder entspannen. Am besten absolvieren Sie die Übung jeweils morgens und abends im Liegen und ziehen dabei Ihre Knie so weit wie möglich in Richtung Brust.

Was hilft gegen die Beschwerden?

Wenn alle Vorbeugungsmassnahmen nichts geholfen haben und sich trotzdem Hämorrhoiden zeigen, helfen Hausmittel und natürliche Arzneien oder Heilverfahren:

  • Warme Bäder lindern bei Hämorrhoiden in der Schwangerschaft oft den Juckreiz und die Schmerzen. Ob Ihnen Wärme oder Kälte besser helfen, können Sie jedoch nur ausprobieren: Manche Frauen schwören auf die warmen Bäder, andere finden, dass Kühlen - beispielsweise das Auflegen eines Eisbeutels - gegen Beschwerden durch die Hämorrhoiden guttut. Auch Quarkkompressen oder Kompressen mit geraspelten Kartoffeln können bei der Behandlung von Hämorrhoiden hilfreich und entzündungshemmend sein.
  • Waschen Sie die Afterregion nach jedem Stuhlgang sanft und gründlich. Am besten dafür geeignet ist ein Bidet. Wenn Sie über kein Bidet verfügen, können Sie Ihr Gesäss stattdessen mit dem Duschschlauch spülen.
  • Verwenden Sie zum Abtrocknen unparfümiertes Papier, da dieses die gereizte Haut am wenigsten irritiert.
  • Vermeiden Sie langes Stehen oder Sitzen - durch beides verstärkt sich der Druck auf Ihren Beckenboden, was bei Hämorrhoiden in der Schwangerschaft zu Schmerzen führen kann.
  • Schlafen Sie möglichst auf der linken Seite, um Ihre Gefässe zu entlasten.
  • Die Reizung der Haut lässt sich bei stärkeren Beschwerden durch Analtampons minimieren.
  • Falls Sie durch die Hämorrhoiden starke Schmerzen haben, können Sie einen aufblasbaren Sitzring oder ein Hämorrhoidenkissen nutzen. Ein Sitzring sollte allerdings nur kurzzeitig Verwendung finden, da er die Durchblutung des Gesässes einschränkt und die Hämorrhoiden hierdurch schlechter heilen.
  • Salben oder Zäpfchen mit den Wirkstoffen von Rosskastanie, Brennnessel, Johanniskraut, Schafgarbe und anderen Pflanzen können Schmerzen lindern und Blutungen zum Stocken bringen.
  • Sitzbäder mit Eichenrinde haben eine adstringierende (zusammenziehende) Wirkung.
  • Noch wirkungsvoller sind Sitzbäder in einem Absud aus 120 Gramm Hamamelisblättern, 60 Gramm Beinwell-Wurzel und 2,25 Liter Wasser. Die Mischung sollte für etwa acht Stunden auf dem Herd köcheln und wird danach abgeseiht. Sie lässt sich mehrfach verwenden und hilft selbst bei sehr starken Hämorrhoiden. Am besten nehmen Sie das Sitzbad zwei Mal täglich für jeweils 15 Minuten.
  • Vitamin E unterstützt die Heilung gerissener Kapillargefässe - ein Mangel daran fördert das Entstehen von Krampfadern und Hämorrhoiden. Enthalten ist es beispielsweise in Sonnenblumenkernen und Weizenkeimen. Vielleicht lassen Sie sich durch Ihren Arzt auch ein Vitamin-D-Präparat verschreiben.
  • Auch homöopathische Arzneimittel können die Heilung von Hämorrhoiden unterstützen. 

Wichtig: Wenn Sie gegen Hämorrhoiden in der Schwangerschaft Medikamente nutzen wollen, klären Sie bitte auch bei pflanzlichen Wirkstoffen ab, ob diese für Ihr Baby ungefährlich sind.

Fazit
Unter Hämorrhoiden leidet in der Schwangerschaft ein grosser Teil der Frauen.
Die Gefässerweiterungen in der Analregion sind zwar nicht gefährlich, können durch die damit verbundenen Beschwerden jedoch ausgesprochen lästig werden.
Die wichtigste Vorbeugungsmassnahme gegen Hämorrhoiden in der Schwangerschaft ist das Vermeiden von Verstopfungen durch eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung, reichliches Trinken und Bewegung.
Zur Behandlung von Hämorrhoiden in der Schwangerschaft eignen sich Hausmittel und verschiedene Naturheilmittel.
Tipps von Gynäkologin Dr. Verena Breitenbach
  • Homöopathisch kann auch Hamamelis D6 helfen.
  • Meist verschwinden die Hämorrhoiden nach der Geburt wieder.
  • Natürliche Mittel sind den chemischen vorzuziehen.
Der Text wurde von einem Arzt geprüft

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