Blutungen im Wochenbett
Blutungen im Wochenbett
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Hebammengeprüft

Blutungen im Wochenbett

Blutungen im Wochenbett sind in einem bestimmten Ausmass nicht vermeidbar - nach der Geburt bildet sich die Gebärmutter zurück, die durch die Plazentaablösung entstandene Wundfläche und eventuell vorhandene Geburtsverletzungen brauchen ebenfalls Zeit zum Heilen. Diese Vorgänge sind auch mit Blutungen verbunden.

 

Ina Ilmer
von Ina Ilmer
Hebamme & Mutter
Thu, 17.08.2017 - 10:00 Tue, 07/23/2019 - 14:29

Unvermeidbare Blutungen nach der Geburt

Ein Alarmzeichen sind jedoch sehr starke Blutungen. Die Ursachen dafür bestehen oft in bisher nicht erkannten Verletzungen, einer nicht vollständigen Plazentaablösung oder anderen Wochenbettkomplikationen. Bei starken oder unklaren Blutungen im Wochenbett ist daher dringend ärztliche Hilfe nötig.

Das Wochenbett - Regenerations- und Ruhephase nach den Strapazen der Geburt

Die Zeitspanne zwischen der Nachgeburt - dem Ausstossen der Plazenta - und der vollständigen Rückbildung des Uterus wird als Wochenbett bezeichnet. Meist dauert es zwischen sechs und acht Wochen - für die Mutter sollte es vor allem eine Regenerations- und Ruhephase sein. Gleichzeitig macht ihr Körper im Wochenbett zahlreiche Veränderungen durch.

Die Gebärmutter heilt und bildet sich zurück, die Brüste beginnen mit der Produktion von Muttermilch, der Hormonhaushalt ändert sich nach Schwangerschaft und Geburt ein weiteres Mal und stellt sich auf das nicht Schwangersein um sowie das Stillen ein.

Im Frühwochenbett - den ersten zehn Tagen nach der Geburt - brauchen frischgebackene Mütter besonders viel Ruhe, Zeit für sich und für den neuen Erdenbürger. Schonung ist jedoch bis zum Ende des Wochenbettes angesagt, um die Rückbildungs- und Wundheilungsprozesse nicht zu stören. Rückbildungsgymnastik und gezieltes Beckenbodentraining unterstützen in dieser Zeit die körperliche Regeneration nach der Geburt.

Der Wochenfluss

Blutungen im Wochenbett hat jede Frau - unabhängig davon, ob sie ihr Kind durch eine natürliche Geburt oder einen Kaiserschnitt entbunden hat. Durch die Ablösung der Plazenta entsteht in der Gebärmutter eine offene Wunde, die den sogenannten Wochenfluss (postnataler/nachgeburtlicher Ausfluss, Lochien) verursacht.

Der Wochenfluss geht von der Stelle aus, an der die Plazenta während der Schwangerschaft mit dem Uterus verbunden war. Er besteht aus Blut, Wundsekret, Schleim und Geweberesten der Plazenta. Durch die Blutungen im Wochenbett hat er anfangs eine hellrote Farbe, mit fortschreitender Heilung der inneren Wunde wird er danach rosa, bräunlich und gegen Ende des Wochenbettes gelblich-weiss. Falls Sie sich im Wochenbett oder in der ersten Zeit danach körperlich zu wenig schonen, kann dies ein Wiedereinsetzen der Blutungen zur Folge haben.

Auch ohne gesundheitliche Probleme oder Wochenbettkomplikationen im Hintergrund sind solche (leichten) Blutungen ein Signal des Körpers, dass Sie sich mehr Ruhe gönnen müssen.

Wann können Blutungen im Wochenbett gefährlich werden?

Ärztliche Hilfe benötigen Sie, wenn Blutungen im Wochenbett eine bestimmte Stärke überschreiten, beispielsweise

  • pro Stunde mehr als eine Binde nötig ist
  • Blutungen im Frühwochenbett nach etwa zwei Wochen nicht schwächer werden und immer noch eine hellrote Farbe haben
  • die Blutungen nach der ersten Woche wieder genauso stark werden wie in den Stunden unmittelbar nach der Geburt. Ausser nach dem Stillen: Danach können die Blutungen durchaus etwas stärker sein, verursacht durch das Oxytocin, was durch das Stillen ausgelöst wird 
  • grosse Blutgerinnsel darin enthalten sind (allerdings kann dies nach längerer Liegezeit durchaus mal vorkommen)
  • das Blut oder der Wochenfluss unangenehm riechen und von Fieber oder Schüttelfrost begleitet werden

Ursachen für abnormale Blutungen im Wochenbett

In der unmittelbaren Nachgeburtsperiode können solche Blutungen auch durch Dammrisse, Dammschnitte, Risse in der Scheide oder am Muttermund, Blutergüsse im Vaginalbereich, Blutgerinnungsstörungen sowie - im ungünstigsten Fall - durch Gebärmutterrisse (Uterusrupturen) verursacht werden.

Häufiger sind sogenannte Atonien, die verursacht werden, weil die Gebärmutter sich nicht ausreichend zusammenzieht. Dies ist häufig bei Mehrgebärenden der Fall oder auch, wenn die Gebärmutter durch eine lange Geburtsdauer bzw. durch eine grosse Menge an Kontraktionsmittel "ermüdet“ ist.

Falls sich die Gebärmutter unmittelbar nach der Geburt nicht zusammenzieht oder wenn Reste der Plazenta/der gesamte Mutterkuchen nicht ausgeschieden werden, sondern in der Gebärmutter verbleiben, kann es ebenfalls zu starken Blutungen kommen. Zu einem späteren Zeitpunkt entstehen stärkere Blutungen durch zu grosse und zu frühe körperliche Belastung, vor allem jedoch durch Rückbildungsstörungen des Uterus, blutende Plazentareste oder Infektionen.

Placenta accreta - häufige Ursache für Blutungen im Wochenbett

Eine sogenannte Placenta accreta ist eine häufige Ursache für Blutungen im Wochenbett. Dabei ist die Plazenta nicht nur mit der Schleimhaut, sondern mit der Muskulatur der Gebärmutter verwachsen. Wenn diese Komplikation bereits in der Schwangerschaft erkannt wird, rät der Arzt meist zu einer Kaiserschnittgeburt, die Plazenta wird danach manuell gelöst oder die Gebärmutter durch eine Kürettage ausgeschabt.

Leichte Formen einer Placenta accreta bleiben möglicherweise jedoch unerkannt. Ein Grossteil der Plazenta wird dann während der Nachgeburtsperiode zwar ausgestossen, in der Gebärmutter verbleiben jedoch Gewebereste, die durch die Verwachsung mit der Muskulatur des Uterus nicht ausgeschieden werden können.

Gleichzeitig bleiben durch die Plazentawunde Blutgefässe offen, was nicht nur unmittelbar nach der Geburt, sondern auch im Wochenbett zu starken Blutungen führen kann. Durch eine Placenta accreta ist im Wochenbett ausserdem erhöhte Infektionsgefahr gegeben. Die Rückbildung der Gebärmutter wird durch eine unerkannte Placenta accreta ebenfalls gestört. Auch bei einer vollständig entfernten Placenta accreta kann es durch die vergleichsweise tiefen Wunden jedoch noch zu stärkeren Blutungen kommen.

Wann müssen Sie bei Blutungen im Wochenbett zum Arzt?

Bei allen starken oder unklaren Blutungen im Wochenbett benötigen Sie umgehend medizinische Hilfe durch Ihre Hebamme oder Ihren Arzt. Bei sehr starken Blutungen oder wenn Ihnen durch die Blutung schwindlig wird, rufen Sie bitte den Notarzt oder einen Krankenwagen.

Fazit
Blutungen im Wochenbett sind bis zu einem bestimmten Grad normal. Sie resultieren aus Geburtsverletzungen und vor allem aus der zunächst offenen Wunde an der Stelle, an der die Plazenta mit der Gebärmutter verbunden war. 
Bei starken oder unklaren Blutungen im Wochenbett ist jedoch umgehend ärztliche Hilfe nötig.
Ursachen für solche starken Blutungen sind neben Geburtsverletzungen oder zu früher und zu starker körperlicher Belastung vor allem Rückbildungsstörungen der Gebärmutter, eine Placenta accreta (Verwachsungen von Teilen der Plazenta mit der Muskulatur des Uterus) oder in der Gebärmutter zurückbleibende Plazentareste.
Hebammentipps von Ina Ilmer
  • Bereiten Sie sich bewusst auf das Wochenbett vor - delegieren Sie die Hausarbeit, erwärmen Sie vorgekochtes Essen oder lassen Sie den Pizzaservice kommen. Wünschen Sie sich einen Kuchen anstatt dem 10. Strampler für das Baby. Geniessen Sie die „Flitterwochen“ mit Ihrem Kind.
  • Um den Wochenfluss am Laufen zu halten, empfiehlt es sich, sich regelmässig nach dem Stillen auf den Bauch zu legen. Auch warme Füsse sind wichtig und wohltuend: Ziehen Sie Wollsocken an oder nehmen Sie ein warmes Fussbad! Zusätzlich können Sie sogenannte Rückbildungstees mit Frauenmantel und Hirtentäschel trinken, um die Kontraktionskraft der Gebärmutter zu fördern. Angenehm sind auch Bauchmassagen, die von Ihrem Partner oder der Nachsorgehebamme übernommen werden können, um den Wochenfluss anzuregen.
  • Wenn Plazentareste in der Gebärmutter zurückbleiben, erkennen Sie das nicht nur durch länger andauernde frische Blutungen, sondern ganz häufig auch an einer geringen Milchmenge beim Stillen, da die hormonelle Umstellung nicht vollständig erfolgen kann.
  • Nehmen Sie die Nachbetreuung einer Hebamme in Anspruch. Diese kommt regelmässig zu Ihnen nach Hause und kontrolliert die Blutungsstärke und die Rückbildung der Gebärmutter.
Hebammengeprüft

Dieser Artikel wurde von unserem Expertenteam geprüft.