Die Verhütung nach der Geburt
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Arztgeprüft

Die Verhütung nach der Geburt

Nicht alle Methoden sind gleichermassen geeignet - Eine anstrengende Geburt, ein Neugeborenes, das rund um die Uhr versorgt werden möchte, da mag sich manch ein Paar zunächst gar keine Gedanken um die Verhütung nach der Geburt machen.

Dennoch - auch die Sexualität wird wieder einen höheren Stellenwert einnehmen. Spätestens dann stellt sich die Frage, wie eine erneute Schwangerschaft verhindert werden kann. Möglichkeiten gibt es viele, allerdings sind nach der Entbindung nicht alle gleichermassen geeignet.

windeln.ch Redaktion
von windeln.ch Redaktion
Thu, 22.06.2017 - 09:25 Mon, 09/03/2018 - 11:45

Ist Verhütung nach der Geburt notwendig?

Noch hat sich die Monatsblutung nicht wieder eingestellt, möglicherweise stillen Sie Ihr Baby. Durch das Stillen wird Prolaktin ausgeschüttet. Das Hormon ist für die Milchproduktion verantwortlich:

Je mehr gestillt wird, umso höher ist der Prolaktinspiegel und umso geringer wird die Aktivität der Eierstöcke.

Theoretisch können Sie also gar nicht schwanger werden, wenn Sie voll stillen? Das ist nur bedingt richtig.

Trotz eingeschränkter Aktivität kann es bereits wenige Wochen nach der Entbindung wieder zum Eisprung kommen und die Monatsblutung stellt sich erst danach wieder ein. Zudem sinkt der Prolaktinspiegel, wenn die Abstände zwischen dem Stillen einmal grösser sind.

Daher ist eine erneute Schwangerschaft ohne Verhütung nicht auszuschliessen. Stillen Sie nicht oder nicht voll, müssen Sie ohnehin von einer möglichen früheren und höheren Empfängnisbereitschaft ausgehen.

Geeignete Methode finden

Möglichkeiten der Empfängnisverhütung gibt es viele. Nicht jede ist jedoch direkt nach der Geburt oder für stillende Mütter geeignet: Einerseits soll die Methode möglichst sicher sein, andererseits Ihnen und dem Baby nicht schaden. Daneben gibt es weitere Faktoren zu bedenken.

Wägen Sie ab, ob Sie in naher Zukunft erneut schwanger werden möchten oder ob überhaupt noch ein Kind geplant ist. Wie diszipliniert sind Sie und wie wichtig ist Ihnen Spontanität? Hat sich bereits wieder ein regelmässiger Menstruationszyklus eingestellt? Ebenfalls zu bedenken sind eventuelle Allergien und Medikamenteneinnahmen sowie die mit der Verhütung verbundenen Kosten.

Hormonpräparate

Die Pille gilt als recht sicher. Eine Voraussetzung für die Zuverlässigkeit ist die regelmässige Einnahme, ausserdem darf die Wirkung nicht durch Medikamente oder eine Erkrankung beeinträchtigt werden.

Es gibt Kombinationspräparate aus Östrogen und Gestagen. Diese werden stillenden Müttern keinesfalls empfohlen, denn die Milchproduktion und -qualität wird beeinträchtigt und das Baby würde einen Teil der Hormone über die Muttermilch aufnehmen.

Alternativ bietet sich die sogenannte Mini-Pille an, welche lediglich Gestagen enthält. Diese hat keine Auswirkung auf die Milchproduktion, allerdings wird auch hier ein Teil über die Muttermilch abgegeben.

Neben der regelmässigen Einnahme der Pille besteht die Möglichkeit der Dreimonatsspritze - das Hormonpräparat wird alle drei Monate unter die Haut injiziert. Noch längere Wirkung hat ein Implantat, welches am Oberarm unter die Haut gesetzt wird und dort bis zu einem Zeitraum von etwa drei Jahren geringe Dosen Gestagen abgibt.

Nach einem ähnlichen Prinzip und für etwa fünf Jahre wirkt die Hormonspirale. Diese wird direkt in die Gebärmutter eingesetzt und gibt dort kleine Mengen Gestagen ab.

Die Menge ist noch geringer als beim Implantat, da es direkt "vor Ort" austritt.

Während bei Pillen und Spritzen regelmässig kleinere Beträge anfallen, müssen Sie beim Implantat oder der Hormonspirale für den Zeitraum der Wirkungsdauer einmalig mit etwa 450 CHF rechnen.

Kupferspirale

Die Kupferspirale besteht aus einem flexiblen Material, welches von Kupferdraht umgeben ist. Sie wird in die Gebärmutterhöhle eingesetzt, wo sie für etwa zwei Jahre kleine Mengen Kupfer abgibt. Dies wirkt sich derart auf die Gebärmutterschleimhaut und die Umgebung aus, dass die Samenfäden die Eizellen nicht mehr erreichen.

Samen abtötende Methoden und Barrieremittel

In der Apotheke erhalten Sie rezeptfrei Zäpfchen und Schwämmchen zum vaginalen Einführen vor dem Geschlechtsakt. Diese enthalten ein Samen abtötendes Mittel, welches nach dem Einsetzen freigesetzt wird. Während sich ein Zäpfchen auflöst, muss das Schwämmchen nach einigen Stunden wieder entfernt werden. Die Kosten richten sich nach dem Hersteller und der Verpackungseinheit, sind aber nicht allzu hoch.

Unter dem Begriff Barrieremittel werden Diaphragma, Portiokappe und Lea zusammengefasst. Alle drei Methoden funktionieren nach demselben Prinzip: Sie werden vor dem Geschlechtsverkehr vaginal eingeführt und sitzen - eine korrekte Anwendung vorausgesetzt - vor dem Muttermund. So verhindern sie, quasi wie ein Kondom, das Eindringen der Samenfäden. Sicherheitshalber kann vor dem Einführen zusätzlich ein Samen abtötendes Gel aufgetragen werden.

Der Umgang mit diesen kappenartigen Verhütungsmitteln erfordert etwas Übung. Die Kosten liegen ungefähr bei 45 CHF.

Eine andere Art Barrieremittel ist das Kondom. Dieses wird vom Mann über den erigierten Penis gezogen und verhindert bei richtiger Anwendung ebenfalls das Eindringen der Samenfäden. Ein Kondom ist bereits für wenige Schweizer Franken erhältlich.

Temperatur- und Billingsmethode

Bei beiden handelt es sich nicht um Verhütung im eigentlichen Sinne, sondern um die Ermittlung der fruchtbaren Tage zwecks Enthaltsamkeit.

Bei der Temperaturmethode messen Sie jeden Morgen um dieselbe Uhrzeit die Körpertemperatur. Nach dem Eisprung steigt diese für drei Tage um etwa 20 Prozent an. Dieses Verfahren erfordert lediglich ein digitales Thermometer und Disziplin, ist aber recht unsicher:

Der Eisprung ist bereits erfolgt, wenn die Temperatur steigt, und eine Erkrankung kann jederzeit zu Schwankungen führen.

Bei der Billingsmethode wird täglich der Schleim des Gebärmutterhalses auf seine Konsistenz überprüft. Vor dem Eisprung wird dieser glasig und dünnflüssiger - ein Zeichen für die fruchtbaren Tage. Nach vier bis fünf Tagen verändert sich die Konsistenz wieder. Auch hier ist strikte Disziplin erforderlich, ausserdem sind Erfahrungswerte und ein regelmässiger Zyklus von Vorteil für die korrekte Beurteilung. Absolute Sicherheit ist auch hier nicht gegeben.

Sterilisation

Dieses ist wohl die sicherste Methode der Verhütung, aber auch eine endgültige Massnahme: Sie lassen sich die Eileiter durchtrennen oder Ihr Partner sich die Samenleiter. Der Eingriff ist aufwendig, aber einmalig.

Besonderheiten nach der Schwangerschaft

Werden Hormonpräparate zur Verhütung gewählt, ist damit bei stillenden Müttern immer ein Risiko für das Baby verbunden.

Ein anderes Problem ist die noch nicht verheilte Gebärmutter, was sich durch den Wochenfluss bemerkbar macht. Eindringende Keime finden hier einen idealen Nährboden, es kann zu Infektionen kommen. Aus diesem Grund raten Mediziner in den ersten Wochen nach der Geburt grundsätzlich vom Geschlechtsverkehr ohne Kondom ab.

Doch auch, wenn der Wochenfluss vorbei ist, kann die Gebärmutter noch sehr empfindlich sein, weshalb das Einsetzen einer Spirale oft erst Monate später möglich ist. Der noch gereizte Intimbereich kann auch das Einführen von Barrieremitteln erschweren, diese werden ausserdem nicht immer als angenehm empfunden. Dasselbe trifft auf die Inhaltsstoffe von Zäpfchen und Schwämmchen zu.

Bei jeglichen Methoden, die direkt vor dem Geschlechtsverkehr angewandt werden, müssen die entsprechenden Mittel zur Hand sein und die Spontaneität leidet darunter.

Die Konstitution nach der Geburt unterscheidet sich von Frau zu Frau und die Vorlieben beim Geschlechtsverkehr sind bei jedem Paar anders, deshalb gibt es keine Patentlösung für die richtige Verhütungsmethode.

Sind Sie unsicher, können Sie sich an einen Gynäkologen wenden. Er berät Sie unter Berücksichtigung der individuellen Umstände, welche Verhütungsmethode geeignet ist und informiert Sie, ab wann eine Anwendung infrage kommt.

Möglichkeiten der Verhütung nach der Geburt im Überblick 
Kondom
Diaphragma, Portiokappe, Lea
Zäpfchen, Schwämmchen
Hormonpräparate
Spirale
Temperatur- und Billingsmethode
Sterilisation
Der Text wurde von einem Arzt geprüft

Dieser Artikel wurde von unserem Expertenteam geprüft.

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